BPtK 27. Mai 2015
Alkohol und Tabak bleiben die verbreitetsten und tödlichsten Drogen

Bundesregierung legt Drogen- und Suchtbericht 2015 vor

Alkohol und Tabak bleiben die beiden verbreitetsten und tödlichsten Drogen in Deutschland. Das geht aus dem Drogen- und Suchtbericht 2015 hervor, den Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, vorgelegt hat.

Jedes Jahr sterben 74.000 Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum. Etwa 1,8 Millionen Deutsche im Alter von 18 bis 64 Jahren sind alkoholabhängig, bei circa 1,6 Millionen Menschen liegt ein Alkoholmissbrauch vor. 2013 wurden 338.204 Menschen mit Alkoholerkrankungen in einem Krankenhaus behandelt. Nur 3,6 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren hat noch nie Alkohol getrunken. Der jährliche Konsum beträgt weiterhin durchschnittlich rund zehn Liter reinen Alkohol pro Person (2014: 9,6 Liter, 1995: 11,1 Liter).

Erfolge meldete Mortler beim Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Alkoholvergiftungen ging bei den zehn bis 20-Jährigen zurück: 2012 waren noch 336 Kinder und Jugendliche bezogen auf 100.000 Einwohner ins Krankenhaus eingeliefert worden, 2013 waren es 296. Das entspricht einem Rückgang von 12,1 Prozent. Besonderen Aufklärungsbedarf sah die Drogenbeauftragte jedoch beim Alkoholtrinken während der Schwangerschaft. 56 Prozent der Deutschen wussten in einer Befragung nicht, dass Alkoholkonsum einer schwangeren Frau zu lebenslangen schweren Behinderungen des Kindes führen kann.

Tabakrauchen sei das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland, stellte Mortler fest. Es führe zu jährlich rund 110.000 vorzeitigen Todesfällen und verkürze das Leben um durchschnittlich zehn Jahre. 2014 lag jedoch die Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen erstmals unter zehn Prozent (Erwachsene: 24,5 Prozent). Die Drogenbeauftragte sprach sich allerdings dafür aus, den Verkauf von E-Zigaretten an Kinder und Jugendliche ab 2016 zu verbieten.

Mortler kritisierte, dass Cannabis viel zu häufig verharmlost werde. 2012 gebrauchten 5,6 Prozent der zwölf bis 17-Jährigen Cannabis. Der Beratungs- und Behandlungsbedarf aufgrund von Cannabisgebrauch nehme zu. Cannabis sei bei den unter 25-Jährigen mittlerweile bei Problemen mit illegalen Drogen der Hauptgrund für eine ambulante und stationäre Behandlung sowie in Suchthilfeeinrichtungen. Die Drogenbeauftragte sprach sich gegen eine allgemeine Legalisierung von Cannabis, aber für eine Nutzung als medizinisches Präparat, das auch von den Krankenkassen bezahlt wird, aus.

Insgesamt hat rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland Erfahrung mit illegalen Drogen. Die Zahl der drogenbedingten Todesfälle stieg 2014 leicht auf 1.032 an (2013: 1.002). Die Zahl der Konsumenten harter Drogen, die erstmals auffielen, stieg 2014 um fünf Prozent auf insgesamt 20.120 an. Der größte Anstieg (42 Prozent) war bei Ecstasy zu verzeichnen, gefolgt von Crystal Meth. Die größte Zahl der erstmals Auffälligen entfiel erneut auf neue Konsumenten von Amphetaminen. Rückläufig waren die Zahlen bei Heroin und Kokain.

Einen deutlichen Rückgang meldete die Drogenbeauftragte beim Glückspiel. Um zufällige Geldgewinne spielten 2013 noch 40,2 Prozent der Deutschen (2011: 50,7 Prozent). Entgegen diesem Trend hat das Glücksspiel an Automaten aber erheblich zugenommen. Besonders stark war der Anstieg bei 18 bis 20-jährigen Männern. Seit 2007 hat sich ihre Spielprävalenz vervierfacht, von 5,8 auf 23,5 Prozent.

Links:

Drogen- und Suchtbericht 2015 der Bundesregierung

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