BPtK 19. Oktober 2011
Frührenten aufgrund psychischer Erkrankung nehmen immer mehr zu

Anhörung im Deutschen Bundestag zum GKV-Versorgungsstrukturgesetz

Frührenten aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen immer mehr zu. Im Jahr 2010 stieg die Zahl der Arbeitnehmer, die aufgrund dauerhafter psychischer Erkrankungen nicht bis zum normalen Rentenalter erwerbstätig sind, um rund 6.000 auf rund 70.500 Rentner. „Das ist einer der größten Anstiege seit zwei Jahrzehnten“, stellt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. „Eine rechtzeitige Behandlung psychischer Erkrankungen könnte erheblich dazu beitragen, dass psychische Erkrankungen nicht chronifizieren und zu dauerhafter Erwerbsunfähigkeit führen.“

BPtK-Präsident Richter kritisiert anlässlich der heutigen Anhörung des Versorgungsstrukturgesetzes im Deutschen Bundestag, dass sich auch zukünftig nichts an der schlechten Versorgung psychisch kranker Menschen ändere. Im nächsten Jahr drohe im Gegenteil ein Abbau von rund 2.000 psychotherapeutischen Praxen. „Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr ambulante Psychotherapie, um psychische Erkrankungen schneller behandeln zu können“, fordert Richter. In Deutschland warten psychisch kranke Menschen durchschnittlich drei Monate auf ein erstes Gespräch beim Psychotherapeuten. Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz könnte das Problem entschärft werden. Durch eine Neuberechnung der Verhältniszahlen der ambulanten Bedarfsplanung könnten sich bereits nächstes Jahr mehr Psychotherapeuten niederlassen. Auch für psychische Erkrankungen gilt: Besser früh und ambulant behandeln als spät und stationär.

1993 erhielten noch rund 41.400 Arbeitnehmer eine vorzeitige Rente aufgrund chronischer seelischer Schäden. Zehn Jahre später, im Jahr 2003, waren es bereits rund 10.000 vorzeitige Rentner mehr (50.800). Allein in den letzten vier Jahren hat die Zahl der Frührentner um rund 20.000 zugenommen. „Psychische Erkrankungen sind damit seit zehn Jahren der Hauptgrund für das vorzeitige Ausscheiden aus dem Arbeitsleben“, bilanziert BPtK-Präsident Richter. „Mehr als jede dritte Frührente ist inzwischen durch dauerhafte psychische Erkrankungen verursacht.“ Dadurch entstehen Kosten von mehr als vier Milliarden Euro im Jahr. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass das Alter bei Frühverrentungen wegen psychischer Erkrankungen mit 48 Jahren um drei Jahre unter dem Alter der körperlich kranken Frührentner liegt.

„Die Arbeitswelt belastet die Menschen heute anders als noch vor 50 Jahren“, erklärt BPtK-Präsident Richter. „Die körperlichen Belastungen nehmen ab, die psychosozialen Belastungen jedoch zu. Dies führt langfristig auch zu einem Anstieg der psychischen Erkrankungen.“ Dieser langfristige Trend erkläre jedoch nicht die hohen Zuwachsraten bei psychischen Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren. Diese beruhen weniger auf einer Zunahme der Häufigkeit psychischer Erkrankungen, sondern auf einer erfreulichen Verbesserung der Erkennens- und Behandlungsrate. „Psychische Erkrankungen sind heute weniger stigmatisiert“, erläutert Richter.

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