BPtK 25. Januar 2010
Präventive Gesundheitspolitik für Kinder und Jugendliche braucht gesetzliche Grundlage

Präventive Gesundheitspolitik benötigt eine gesetzliche Grundlage, die insbesondere die gemeinsame finanzielle Verantwortung von Gesundheitswesen, Jugendhilfe und Schulen regelt. Das forderte die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) anlässlich des überarbeiteten Gesundheitsziels "Gesund aufwachsen", das das Bundesministerium für Gesundheit heute veröffentlichte.

Die neue Fassung des Papiers berücksichtigt neben Lebenskompetenz, Ernährung und Bewegung auch psychische Gesundheit, Impfen und Unfallprävention sowie geschlechtsspezifische Aspekte ("Gender Mainstreaming") und Chancengleichheit. "Vorbeugende Gesundheitspolitik muss insbesondere gesunde Lebensstile in Lebenswelten wie Familien, Kindergärten und Schulen fördern", erklärte BPtK-Präsident Prof. Dr. Rainer Richter. "Deshalb unterstützen wir ausdrücklich den Settingansatz bei Prävention und Gesundheitsförderung. Bis heute fehlt jedoch das finanzielle Pendant: die gemeinsame finanzielle Verantwortung von Sozialversicherung, Kinder- und Jugendhilfe sowie Schulträgern. Ohne klare gesetzliche Vorgaben für eine Kooperation der Kostenträger wird es nicht genügend finanzielle Mittel geben für eine Wirksamkeit des Gesundheitsziels ‚Gesund aufwachsen‘."

Wegen der geteilten Finanzverantwortung ist die notwendige Kooperation der Träger in der Praxis bislang strukturell stark behindert, wie der 13. Kinder- und Jugendbericht (BT-Drs. 16/12860) unmissverständlich klar macht. Der in der vergangenen Woche veröffentlichte Präventionsbericht der gesetzlichen Krankenkassen zeigt ebenfalls, dass es ohne klare Regelungen nicht gelingen wird, vorbeugenden Gesundheitsschutz in den verschiedenen Lebenswelten zu stärken. Zwar gaben die Kassen 2008 mit 340 Millionen Euro über zehn Prozent mehr für die Primärprävention aus als 2007 und mit 4,83 Euro je Versicherten sogar 74 Prozent mehr als vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Auf die Prävention in nichtbetrieblichen Settings, wie Kindertagesstätten und Schulen, entfielen davon jedoch nur 26 Cent.

Mit dem Ziel "Gesund aufwachsen" soll ein konzertiertes Zusammenwirken unterschiedlicher Träger und Akteure aus dem Gesundheitswesen, der Jugendhilfe und dem Bildungsbereich erreicht werden. Gemeinsame Ziele reichen nach Ansicht der BPtK allerdings nicht aus, um Gesundheits- und Krankheitsverhalten nachhaltig zu verändern. Die BPtK fordert daher analog zur betrieblichen Gesundheitsförderung auch für die Prävention in den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen einen gesetzlichen Rahmen für eine gemeinsame Finanzverantwortung.

Im Kooperationsverbund gesundheitsziele.de haben sich politisch Verantwortliche in Bund, Ländern und Kommunen, Selbstverwaltungsorganisationen, Fachverbänden, Patienten- und Selbsthilfeorganisationen sowie der Wissenschaft zusammengeschlossen. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, nationale Gesundheitsziele zu konsentieren und verlässliche Arbeitsstrukturen sowie einen Handlungsrahmen für die Umsetzung zielführender Maßnahmen zu schaffen. Die BPtK ist Mitglied des Kooperationsverbundes.

Links:

Nationales Gesundheitsziel - Gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung

13. Kinder- und Jugendbericht (BT-Drs. 16/12860)

Präventionsbericht 2009 - Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung: Primärprävention und betriebliche Gesundheitsförderung

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