BPtK 01. Oktober 2010
Psychische Erkrankungen - Herausforderung für die zukünftige Gesundheitspolitik

Zahlen und Fakten zur Woche der Seelischen Gesundheit 2010

"Psychische Erkrankungen sind eine der großen gesundheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft", stellt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), zur Woche der Seelischen Gesundheit 2010 vom 4. bis 10. Oktober 2010 fest. Depressionen werden häufig nicht oder nicht in ihrer Schwere erkannt. Nicht einmal jeder zweite depressiv Kranke erhält eine Behandlung. Trotzdem verursachen psychische Störungen bereits mehr als zehn Prozent aller Krankheitskosten in Deutschland.

Innerhalb eines Jahres erkrankt in Deutschland jeder dritte Erwachsene an einer psychischen Störung. Alarmierende 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind psychisch auffällig. Psychische Krankheiten gehören zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen und Frühverrentung. Etwa 65 bis 90 Prozent aller Suizide werden durch psychische Erkrankungen verursacht, am häufigsten durch eine Depression. "Psychische Erkrankungen können heute praktisch jeden treffen", erklärt BPtK-Präsident Richter, "sei es ganz persönlich oder als Angehöriger oder Freund. Prävention und Behandlung von psychischen Leiden lassen sich noch erheblich verbessern."

Häufigkeit

Nach den Ergebnissen bevölkerungsrepräsentativer Untersuchungen erkrankt nahezu jeder dritte Deutsche innerhalb eines Jahres an einer psychischen Störung. Besonders häufig sind Angsterkrankungen (14 Prozent), Depressionen (elf Prozent) und somatoforme Störungen, d. h. körperliche Beschwerden, für die keine hinreichenden organischen Ursachen gefunden werden (elf Prozent). Häufig ist auch Alkoholmissbrauch bzw. Alkoholabhängigkeit (vier Prozent).

Nach dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) leidet jedes zehnte Kind unter Ängsten, etwa jedes 20. unter Depressionen und rund jedes 50. Kind unter ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung). Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind dabei besonders gefährdet.

Kosten

Nach aktuellen Daten des Statischen Bundesamtes verursachen psychische Erkrankungen direkte jährliche Kosten von 28,7 Milliarden Euro. Seit 2002 stiegen damit die Kosten um fast ein Viertel. In der stationären Versorgung gehen mehr als 15 Prozent aller Behandlungstage auf psychische Erkrankungen zurück.

Die direkten Kosten der Depressionen erhöhten sich von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2002 auf 5,7 Milliarden Euro im Jahr 2008, ein Anstieg von 35 Prozent. Die Behandlungskosten für einen depressiven Patienten betragen jährlich durchschnittlich 4.000 Euro. Die direkten Kosten sind dabei nur ein Teil der Gesamtkosten. Als indirekte Kosten kommen insbesondere die Ausgaben aufgrund von Arbeitsunfähigkeit (Lohnfortzahlung, Krankengeld) und vorzeitiger Berentung hinzu.

Arbeitsunfähigkeit

Seit 1990 hat sich die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen fast verdoppelt. Inzwischen gehen knapp elf Prozent aller Fehltage auf psychische Störungen zurück. Mehr noch als berufliche Belastungen macht jedoch der Verlust des Arbeitsplatzes psychisch krank. Arbeitslose sind drei- bis viermal so häufig psychisch krank wie Erwerbstätige. Insgesamt erkranken deutsche Arbeitnehmer am häufigsten an Depressionen. Ein depressiv Erkrankter fehlt durchschnittlich 35 bis 50 Tage pro Jahr an seinem Arbeitsplatz.

Frühverrentung

Der Anteil der psychischen Erkrankungen an den Berentungen wegen Erwerbsminderung hat sich von 15,4 Prozent im Jahr 1993 auf 35,6 Prozent im Jahr 2008 mehr als verdoppelt. In absoluten Zahlen gab es einen Anstieg von 20.366 Neuberentungen im Jahr 1993 auf 31.124 im Jahr 2008, das bedeutet einen Anstieg von mehr als 50 Prozent.

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