BPtK 24. April 2015
Psychotherapie auch bei Schizophrenie wirksam

Diotima-Preis 2015 an Prof. Dr. Stefan Klingberg verliehen

Der Wissenschaftler und Psychotherapeut Prof. Dr. Stefan Klingberg hat heute den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft erhalten. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ehrt damit einen Kollegen, der sich seit dem Beginn seiner universitären Laufbahn für eine bessere Psychosentherapie eingesetzt hat. „Professor Klingberg steht für die Überzeugung und den Nachweis, dass Psychotherapie bei Psychosen wirksam ist – einer Tatsache, der selbst die Fachöffentlichkeit lange skeptisch gegenüber stand und oft immer noch steht“, stellt BPtK-Präsident Prof. Rainer Richter fest. „Engagierten Forschern und Behandlern wie ihm haben wir es zu verdanken, dass ein Umdenken einsetzt und auch Patienten mit Psychosen häufiger Psychotherapie erhalten.“

Psychosen, darunter auch Schizophrenie gehören zu den schwersten psychischen Erkrankungen, da sie oft chronisch verlaufen und das Leben und den Alltag der Erkrankten oft stark be-einträchtigen. Psychosen sind kostenintensiv. Die jährlichen Gesamtausgaben werden auf insgesamt 4,4 bis 9,2 Milliarden Euro geschätzt. Dabei machen die Behandlungskosten selber nur ein Drittel der Ausgaben aus. Der Anteil der indirekten Kosten, der aufgrund von Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung entsteht, ist ungefähr drei bis viermal so hoch. Die Entwicklung und Bereitstellung wirksamer Behandlungsmethoden im Gesundheitssystem sind deshalb nicht nur aus Patienten- sondern auch aus gesellschaftlicher Sicht wichtig. Lange Zeit wurde nahezu ausschließlich eine medikamentöse Behandlung für wirksam gehalten. Die Ergebnisse der Psychotherapieforschung aus den letzten 20 Jahren widerlegen diese Einschätzung. Gleichwohl erhalten Patienten mit Psychosen bis heute zu selten Psychotherapie.

Prof. Stefan Klingberg studierte in Münster Psychologie, wo er 1993 zum Thema „Rückfallprophylaxe bei Psychosen“ promovierte. Seit 1993 ist Prof. Klingberg an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Tübingen tätig, an der er 2003 habilitierte. Seit 2004 ist er als Leitender Psychologe und Hochschuldozent in Tübingen tätig. Prof. Klingberg veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze zum Thema „Psychotherapie bei Psychosen“ und ist derzeit maßgeblich an der Aktualisierung der S3-Leitlinie Schizophrenie beteiligt. Er ist Mitgründer und Vorstandsmitglied des Dachverbands Deutschsprachiger PsychosenPsychotherapie. Dieser Dachverband ist ein Zusammenschluss von Personen, die in der Psychiatrie oder Versorgung von Menschen mit Psychosen tätig sind und das Ziel verfolgen, Psychotherapie in der Behandlung von Menschen mit Psychosen zu einem selbstverständlichen Angebot zu machen.

Der Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft wird einmal im Jahr an Personen oder Organisationen verliehen, die sich in besonderem Maß um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben. Der Preis ist nach Diotima aus Mantinea benannt, einer mythischen Priesterin der Antike. Sie gilt als Lehrerin des Sokrates, die ihn dazu inspirierte, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen.

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