BPtK 30. September 2009
Suizid von depressiver Mutter in Schönefeld

Kinder psychisch kranker Eltern häufig ohne Hilfe

Psychische Konflikte in Familien können sich dramatisch zuspitzen, nicht selten erkranken daran Eltern oder Kinder. Die Ermittlungen in einem Unglücksfall nahe Berlin, in der sich eine Mutter zusammen mit ihren drei Kindern verbrannte, zeigen, wie ausweglos Familien ihre Lage erscheinen kann", stellte Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. "Viele psychisch kranke Erwachsene kommen immer noch zu spät in eine Behandlung. Bis heute wird aber vor allem das Gesundheitsrisiko ihrer Kinder übersehen."

In Deutschland leben rund 1,5 Millionen Kinder, deren Eltern an einer Psychose oder einer schweren Depression leiden oder alkohol- bzw. drogenabhängig sind. Dies ergaben konservative Schätzungen der Bundespsychotherapeutenkammer auf der Basis des Bundesgesundheitssurveys von 1998. Kinder von Eltern, die psychisch krank waren, erkranken selbst überdurchschnittlich häufig an psychischen Störungen. Depressionen, Angststörungen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit treten überdurchschnittlich häufiger auf, wenn die gleichen psychischen Erkrankungen bei Eltern, Großeltern und Geschwistern vorlagen.

Kinder schwer psychisch kranker Eltern sind häufig mit ihren Ängsten und Zweifeln alleingelassen. Eine Mutter, die unter schweren Depressionen leidet, ist seltener ansprechbar und oftmals mit der Versorgung ihrer Kinder überfordert. Ein Vater, der von Wahnideen gequält ist, unverständliche Gedanken und Ideen äußert, ist beängstigend. Häufig haben die Kinder Schuldgefühle: Sie denken, wenn sie dies oder jenes besser machen, fleißiger lernen oder sorgfältiger aufräumen würden, wäre die Mutter nicht so traurig oder der Vater nicht so unberechenbar und wütend. Sie erkennen durchaus, dass der Vater oder die Mutter krank sind und fühlen sich verantwortlich, für den erkrankten Elternteil zu sorgen, ihm sein Leiden zu erleichtern, an seine Medikamente zu denken. Oftmals müssen sie die Aufgaben des erkrankten Vaters oder der Mutter in der Familie übernehmen und werden durch die verfrühte Übernahme von elterlicher Verantwortung und Fürsorge etwa für jüngere Geschwister regelmäßig überfordert.

Ein gesunder Gesprächspartner ist für diese Kinder bereits eine große Hilfe. Viele Familien verschweigen jedoch die psychische Krankheit, kapseln sich ein und finden keinen Ausweg. "Deshalb ist es umso wichtiger, dass die psychiatrische Klinik, der niedergelassene Psychotherapeut oder die Jugendhilfe frühzeitig tätig werden", forderte BPtK-Präsident Richter. Bei der Behandlung eines psychisch schwer erkrankten Elternteils sollte der Therapeut den Patienten darüber aufklären, dass seine Kinder Unterstützung brauchen und ihn auf Erziehungsberatungsstellen oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten hinweisen. "Bei psychisch kranken oder gefährdeten Kindern und Jugendlichen herrscht allerdings eine eklatante Unterversorgung", kritisierte BPtK-Präsident Richter. "Die Wartelisten sind in der Regel lang, die Kapazitäten in den Erziehungsberatungsstellen werden durch die Kommunen sogar teilweise noch abgebaut."

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