HBA/eGK 05. Januar 2006
Testphase beginnt

Acht Regionen führen elektronische Gesundheitskarte ein

In acht Bundesländer starten spätestens zum 1. April die ersten praktischen Tests der elektronischen Gesundheitskarte, dem neuen Patientenausweis in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Gleichzeitig damit erfolgt die Erprobung des ebenfalls neuen elektronischen Heilberufsausweises für Psychotherapeuten, Ärzte und Apotheker.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt legte jetzt die Regionen fest, in denen erprobt werden soll, ob die beiden neuen Ausweise alltagstauglich sind.

  • Bochum-Essen (Nordrhein-Westfalen),
  • Bremen (Bremen),
  • Flensburg (Schleswig-Holstein),
  • Heilbronn (Baden-Württemberg),
  • Ingolstadt (Bayern),
  • Löbau-Zittau (Sachsen),
  • Trier (Rheinland-Pfalz),
  • Wolfsburg (Niedersachsen.


In diesen Regionen nehmen jeweils mindestens 10.000 Versicherte an dem Versuch teil. Jede Region testet schwerpunktmäßig unterschiedliche Aufgaben der neuen elektronischen Ausweise. Die Teilnahme an der Erprobung ist für Versicherte sowie Psychotherapeuten, Ärzte und Apotheker freiwillig. In den Modellregion Bochum-Essen sprach die Gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH) beispielsweise zunächst einzelne Ärzte an, ob sie bereit seien mitzumachen. Danach stellten die Informatiker fest, welche Patienten diese Ärzte haben und insbesondere mit welchen Rezepten sie in welche Apotheken gehen. Von diesen Apotheken wurden wiederum 29 dafür gewonnen, an dem Test mitzumachen. Schließlich wandte sich die Gematik gezielt an die Versicherten, die diese Ärzte und Apotheken aufsuchen und erreichte, dass mindestens 10.000 von ihnen die Gesundheitskarte in den nächsten Monaten erproben.

Letztlich soll die elektronische Gesundheitskarte dazu beitragen, "die Qualität, Sicherheit und Transparenz der medizinischen Versorgung zu verbessern" (Bundesministerin Ulla Schmidt). Dies soll insbesondere dadurch erreicht werden, dass Psychotherapeuten und Ärzte bei Einwilligung des Patienten auf Kerninhalte der Krankenakte eines Patienten unmittelbar zugreifen können. Die Informationen der Krankenakte werden nicht mehr, wie bisher, meist bruchstückhaft bei verschiedenen Ärzten verteilt sein. Psychotherapeut oder Arzt können aber nicht alleine auf diese digitalen Dateien zugreifen. Dafür sind beide neuen Ausweise (Gesundheitskarte des Versicherten und Heilberufsausweis des Psychotherapeuten) notwendig sowie eine Geheimzahl, die nur der Patient kennt. Dabei soll es dem Patienten möglich sein, spezifisch für den jeweiligen Arzt nur bestimmte Inhalte der Patientenakte freizugeben. Zudem soll es den Patienten ermöglicht werden, eigenständig und unabhängig von einem Arzt an dafür eingerichteten Terminals sämtliche auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeicherten Informationen abzurufen.

Bei entsprechender Freigabe durch den Patienten wird es dann zukünftig für den behandelnden Psychotherapeuten oder Arzt bzw. den Apotheker möglich sein, auf einen Blick möglich zu erkennen, welche Krankheit der Versicherte schon hatte, welche Medikamente er bekam oder welche Untersuchungen schon veranlasst wurden. Apotheker können anhand der gespeicherten Rezepte beispielsweise feststellen, ob ein Patient zwei Arzneimittel verschrieben bekommen hat, die sich nicht miteinander vertragen. Das könnte viele Todesfälle vermeiden helfen, denn jährlich sterben immer noch mehr Menschen an Arzneimittelunverträglichkeiten als im Straßenverkehr. Wenn der Patient es wünscht, können auf der Gesundheitskarte selbst auch Blutgruppe und Allergien vermerkt werden, was im Notfall lebensentscheidend sein kann. In den acht Testregionen geht es jetzt um die Tücken des Alltags: Was passiert, wenn die Karte verloren geht? Was ist, wenn der Patient seine Geheimzahl vergisst? Ist es tatsächlich unmöglich, die Gesundheitskarte zu missbrauchen und sich mit einem fremden Ausweis behandeln oder Arzneimittel verschreiben zu lassen? Überhaupt haben Datenschützer bisher noch einige Zweifel, ob das System tatsächlich sicher vor fremden Zugriffen ist. Die erste Testphase, die im April beginnt, soll Ende 2006 abgeschlossen sein. Dann beginnt in mindestens zwei Regionen ein Massentest mit jeweils 100.000 Gesundheitskarten. Ab Mitte 2007 könnte endlich die allgemeine Einführung der neuen Krankenversicherungskarten erfolgen: ein logistischer Kraftakt mit mehr als 80 Millionen neuen Versichertenausweisen.

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