BPtK 08. Oktober 2010
Warum es in Lüchow-Dannenberg angeblich zu viele Psychotherapeuten gibt

BPtK kritisiert administrative Zahlenakrobatik der Bedarfsplanung

In Deutschland ist die Chance für psychisch kranke Menschen, einen psychotherapeutischen Behandlungsplatz zu finden, sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt steht für rund 6.000 Einwohner ein Psychotherapeut zur Verfügung. Zwischen Stadt und Land herrschen erhebliche Unterschiede.

In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt kommt ein Psychotherapeut auf rund 12.000 Einwohner, in Baden-Württemberg ein Psychotherapeut auf 4.400 Einwohner. "Wir brauchen dringend eine Reform der Bedarfsplanung, die psychisch kranken Menschen überall eine ausreichende Versorgung sichert", erklärt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), anlässlich des Tages der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2010.

Tatsächlich fehlen in Deutschland Behandlungsplätze für psychisch kranke Menschen. Vor allem auf dem Land warten psychisch Erkrankte manchmal mehr als ein Jahr auf eine psychotherapeutische Behandlung. "Dabei führen die Angaben der Bedarfsplanung in die Irre", kritisiert BPtK-Präsident Richter. "Die angeblich gute Versorgung mit psychotherapeutischen Behandlungsplätzen existiert meist nur auf dem Papier." Der Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt gilt z. B. mit einem Versorgungsgrad von 245,6 Prozent als eklatant überversorgt. Insgesamt versuchen dort aber nur 8,8 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner, eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg gehört mit 463,2 Prozent zu den Top 10 der überversorgten Planungsbereiche. In Lüchow-Dannenberg versorgen 20 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner. Dagegen ist Halle in Sachsen-Anhalt mit 110,5 Prozent nur leicht überversorgt, hier arbeiten allerdings 31,7 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner.

"Die hohen Versorgungsgrade entstehen regelmäßig dadurch, dass der Bedarf künstlich kleingerechnet wird. Die Bedarfsplanung geht davon aus, dass Menschen in ländlichen Regionen erheblich seltener psychisch krank werden als in der Stadt", erklärt der Präsident der deutschen Psychotherapeutenschaft. "Sie diente nie der Planung des tatsächlichen Versorgungsbedarfs, sondern war von Anfang an als Maßnahme zur Begrenzung der Ausgaben gedacht." In Kernstädten müssen sich nach den gesetzlichen Vorgaben rund 2.600 Menschen einen Psychotherapeuten teilen. Auf dem Land dagegen wird schon mit einem Psychotherapeuten für ca. 23.000 Menschen ein Versorgungsgrad von 100 Prozent erreicht. "Die Versorgungsgrade der Bedarfsplanung sagen nichts über die reale Versorgungssituation aus", stellt BPtK-Präsident Richter fest. "Wir brauchen dringend eine Bedarfsplanung, die die reale Versorgungssituation zur Kenntnis nimmt. Administrative Zahlenakrobatik hilft uns nicht weiter."

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