BPtK 07. April 2009
Weltgesundheitstag 2009

Verletzungen im Katastrophenfall oft übersehen

Katastrophenopfer erhalten in Deutschland eine professionelle medizinische Versorgung ihrer körperlichen Verletzungen. "Psychische Verletzungen werden dagegen oft übersehen und qualifizierte Psychotherapeuten und Ärzte oft erst viel zu spät hinzugezogen", kritisiert Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), anlässlich des heutigen Weltgesundheitstages 2009 zum Thema "Maßnahmen des Gesundheitswesens im Katastrophenfall".

"Eine professionelle Einschätzung von psychischen Verletzungen ist wichtig, da Aktionismus oder "Debriefing" als Stressbewältigung bei manchen Katastrophenopfern sogar schädlich sein kann." Nach einem Katastropheneinsatz entwickelt z. B. jede zehnte professionelle Rettungskraft Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Katastrophen, Unglücke oder Gewalterfahrungen können so überfordern, dass ein psychischer Notfall eintritt. Schockierende Situationen können die psychischen Kapazitäten Einzelner erheblich überfordern und zu langfristigen psychischen Störungen, wie z. B. der Posttraumatischen Belastungsstörung, führen. Die Betroffenen sind oft nicht in der Lage, ihre Not selbst wahrzunehmen, direkt zu äußern und um Hilfe zu bitten. Von Laien und auch von den Betroffenen selbst werden die Symptome der Krise daher oft übersehen oder fehlinterpretiert. Psychische Verletzungen können alle Beteiligten davontragen: die Opfer, ihre Angehörigen, Rettungskräfte und Augenzeugen.

Ziel einer psychotherapeutischen Akutversorgung ist, Belastungsfolgen frühzeitig zu erkennen und - wenn notwendig - rechtzeitig erforderliche Hilfen und Behandlungsangebote zu unterbreiten. Sinnvoll können dabei Screening-Verfahren sein, die in den ersten Wochen nach dem traumatisierenden Ereignis helfen, Patienten mit einer sich entwickelnden PTBS zu erkennen. Posttraumatische Belastungsstörungen entstehen besonders häufig nach Bombenanschlägen und Terrorattacken. Der Schock verursacht bei zwei von drei Personen langfristige psychische Verletzungen. Nach Naturkatastrophen oder technischen Unfällen zeigen rund 40 Prozent der Betroffenen Symptome von Posttraumatischen Belastungen. Kriegserlebnisse führen durchschnittlich bei jedem fünften, Verkehrsunfälle bei jedem siebten zu einer PTBS.

Die individuelle Reaktion auf traumatische Erlebnisse ist sehr unterschiedlich. In der Akutversorgung kommt es deshalb entscheidend darauf an, diese große Variabilität der individuellen Reaktionen zu kennen und einschätzen zu können. Symptome können Angstzustände, Depressionen, Alkohol- oder Tablettenmissbrauch, aber auch aggressives Verhalten sein. Auf der Grundlage einer Differenzialdiagnostik kann entschieden werden, welche Maßnahmen im Einzelfall indiziert und welche Maßnahmen schädlich sind.

Der Weltgesundheitstag 2009 steht unter dem Motto "Maßnahmen des Gesundheitswesens im Katastrophenfall". Er will darauf hinweisen, dass für die Bewältigung von Großschadenslagen, wie zum Beispiel einer Influenzapandemie, eines bioterroristischen Angriffs oder anderen Katastrophenfällen, eine gut abgestimmte Zusammenarbeit der relevanten Akteure entscheidend ist.

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