Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft

Die Bundespsychotherapeutenkammer vergibt seit 2009 den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft, der jährlich öffentlich verliehen wird. Mit ihm werden Personen geehrt, die sich besonders um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben oder sich durch ein besonderes berufspolitisches oder wissenschaftliches Engagement auszeichnen.

Diotima - Seelenkundige Lehrerin des Sokrates

Diotima (Διοτιμα)

Diotima (Διοτιμα) aus Mantinea, eine mythische Priesterin der Antike, gilt als Lehrerin des Sokrates. In Platons Dialog "Symposion" schildert Sokrates, was Diotima ihn über das Wesen des Eros lehrte: Eros ist ein Dämon und ein gewaltiger Trieb zum Zeugen im Schönen. Grund ist die Sehnsucht des Liebenden nach Unsterblichkeit im Weiterleben seiner Kinder. Dabei ist die geistige Zeugung die wertvollere: Seelische Kinder sind schöner als leibliche, wie generell die Schönheit der Seele herrlicher ist als die des Leibes. So liegt nahe, dass es Diotima war, die den jungen Sokrates dazu inspirierte, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen. Dies war der Ursprung der abendländischen Seelenkunde und damit auch Seelenheilkunde oder Psychotherapie. Eros ist als die ausgleichende Kraft zu verstehen, die im psychotherapeutischen Prozess Widersprüche aufzulösen vermag, die allein rational nicht bewältigt werden können. Die Inspiration dazu kam von Diotima. Deshalb ist sie die Namensgeberin des Ehrenpreises, den die Bundespsychotherapeutenkammer jährlich vergibt.

Diotima - Ehrenpreis 2014

Prof. Dr. Dr. h. c. Ursula Lehr ist die Preisträgerin des Diotima-Ehrenpreises 2014. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ehrt mit Prof. Lehr eine Wissenschaftlerin und Politikerin, die sich für ein differenziertes und realistisches Altersbild in unserer Gesellschaft und eine angemessene Gesundheitsversorgung älterer Menschen einsetzt.

Prof. Dr. Dr. Ursula Lehr
Prof. Dr. Dr. Ursula Lehr

Prof. Ursula Lehr (geb. 1930) studierte in Frankfurt und Bonn Psychologie, Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte. Nach ihrer Promotion und Habilitation sowie Tätigkeiten als Hochschullehrerin für Psychologie an verschiedenen Universitäten, übernahm Prof. Lehr 1986 den ersten deutschen Lehrstuhl für Gerontologie in Heidelberg. Dort war sie bis zu ihrer Emeritierung 1998 tätig. Gemeinsam mit Prof. Dr. Hans Thomae initiierte sie die erste deutsche Längsschnittstudie zum späten Erwachsenenalter (Bonner Gerontologische Längsschnittstudie). Ein wichtiger Befund dieser Studie lag im Aufzeigen großer interindividueller Unterschiede im Altersprozess. Daraus zog Prof. Lehr den Schluss, dass die selbstverantwortliche und aktive Gestaltung des Alterns wesentlich für einen erfolgreichen Altersprozess ist. In Folge trieb Prof. Lehr die interdisziplinäre Erforschung der Aufrechterhaltung körperlicher und psychischer Gesundheit im hohen Alter voran (Interdisziplinäre Längsschnittstudie des Erwachsenenalters). 1995 gründete sie das Deutsche Zentrum für Alternsforschung in Heidelberg. Von 1988 bis 1991 war sie Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit. In dieser Zeit setzte sie sich maßgeblich für die Etablierung des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten als akademische Heilberufe ein. Als Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) engagiert sich Prof. Lehr seit 2009 für ein selbstbestimmtes Leben im Alter, die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen, ein solidarisches Miteinander der Generationen und eine angemessene gesundheitliche Versorgung älterer Menschen.


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