Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft

Die Bundespsychotherapeutenkammer vergibt seit 2009 den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft, der jährlich öffentlich verliehen wird. Mit ihm werden Personen geehrt, die sich besonders um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben oder sich durch ein besonderes berufspolitisches oder wissenschaftliches Engagement auszeichnen.

Diotima - Seelenkundige Lehrerin des Sokrates

Diotima (Διοτιμα)

Diotima (Διοτιμα) aus Mantinea, eine mythische Priesterin der Antike, gilt als Lehrerin des Sokrates. In Platons Dialog "Symposion" schildert Sokrates, was Diotima ihn über das Wesen des Eros lehrte: Eros ist ein Dämon und ein gewaltiger Trieb zum Zeugen im Schönen. Grund ist die Sehnsucht des Liebenden nach Unsterblichkeit im Weiterleben seiner Kinder. Dabei ist die geistige Zeugung die wertvollere: Seelische Kinder sind schöner als leibliche, wie generell die Schönheit der Seele herrlicher ist als die des Leibes. So liegt nahe, dass es Diotima war, die den jungen Sokrates dazu inspirierte, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen. Dies war der Ursprung der abendländischen Seelenkunde und damit auch Seelenheilkunde oder Psychotherapie. Eros ist als die ausgleichende Kraft zu verstehen, die im psychotherapeutischen Prozess Widersprüche aufzulösen vermag, die allein rational nicht bewältigt werden können. Die Inspiration dazu kam von Diotima. Deshalb ist sie die Namensgeberin des Ehrenpreises, den die Bundespsychotherapeutenkammer jährlich vergibt.

Diotima - Ehrenpreis 2011

Die Preisträger des Diotima-Ehrenpreises 2011 ist die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. (BAfF). Die BAfF wurde für ihre herausragenden Versorgungsleistungen von Flüchtlingen und Folteropfern geehrt.

Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. (BAfF) ist der Dachverband der Behandlungszentren für Opfer von Menschenrechtsverletzungen und politischer Verfolgung. In der BAfF e.V. sind aktuell 25 Behandlungseinrichtungen organisiert, die jährlich über 8.000 Klienten versorgen.

Die psychotherapeutische Arbeit mit Traumatisierten und Opfern organisierter Gewalt erfordert fundiertes Wissen und höchste Sensibilität in der Auseinandersetzung mit Phänomenen wie Flucht, Trauma, Exil und Interkulturalität. Vor der Zeit der Gründung der ersten Behandlungseinrichtung für Flüchtlinge und Folteropfer gab es noch relativ wenig fundiertes Wissen zur Psychotherapie mit traumatisierten Menschen, wenig Wissen über Psychotherapie im transkulturellen Kontext und so gut wie keine Kenntnisse über die professionelle Arbeit mit Dolmetschern im Gesundheitsbereich. Durch die Weitergabe ihrer fachlichen Expertise und Erfahrungen im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen und Publikationen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der psychosozialen Zentren in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Weiterentwicklung der Psychotherapie in diesem Gebiet beigetragen.

Die Vorsitzende der BAfF, Elise Bittenbinder, nahm den Preis stellvertretend für den Dachverband entgegen.


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