Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft

Die Bundespsychotherapeutenkammer vergibt seit 2009 den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft, der jährlich öffentlich verliehen wird. Mit ihm werden Personen geehrt, die sich besonders um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben oder sich durch ein besonderes berufspolitisches oder wissenschaftliches Engagement auszeichnen.

Diotima - Seelenkundige Lehrerin des Sokrates

Diotima (Διοτιμα)

Diotima (Διοτιμα) aus Mantinea, eine mythische Priesterin der Antike, gilt als Lehrerin des Sokrates. In Platons Dialog "Symposion" schildert Sokrates, was Diotima ihn über das Wesen des Eros lehrte: Eros ist ein Dämon und ein gewaltiger Trieb zum Zeugen im Schönen. Grund ist die Sehnsucht des Liebenden nach Unsterblichkeit im Weiterleben seiner Kinder. Dabei ist die geistige Zeugung die wertvollere: Seelische Kinder sind schöner als leibliche, wie generell die Schönheit der Seele herrlicher ist als die des Leibes. So liegt nahe, dass es Diotima war, die den jungen Sokrates dazu inspirierte, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen. Dies war der Ursprung der abendländischen Seelenkunde und damit auch Seelenheilkunde oder Psychotherapie. Eros ist als die ausgleichende Kraft zu verstehen, die im psychotherapeutischen Prozess Widersprüche aufzulösen vermag, die allein rational nicht bewältigt werden können. Die Inspiration dazu kam von Diotima. Deshalb ist sie die Namensgeberin des Ehrenpreises, den die Bundespsychotherapeutenkammer jährlich vergibt.

Diotima - Ehrenpreis 2016

Prof. Dr. Christine Knaevelsrud hat den diesjährigen Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft erhalten. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) ehrt damit in diesem Jahr eine Kollegin, die sich für die Versorgung von traumatisierten Kriegs- und Folteropfern sowohl in Deutschland als auch in arabischsprachigen Krisenregionen engagiert.

Prof. Dr. Christine Knaevelsrud
Prof. Dr. Christine Knaevelsrud

Prof. Christine Knaevelsrud studierte in Amsterdam und New York Psychologie. Ihre Promotion schloss sie 2005 an der Universität Zürich ab. Sie ist Psychologische Psychotherapeutin und Professorin für Klinisch-Psychologische Intervention an der Freien Universität Berlin.

Von 2007 bis 2015 leitete Prof. Knaevelsrud die Forschungsabteilung am Behandlungszentrum für Folteropfer in Berlin. Neben Ilajnafsy entwickelt sie gemeinsam mit anderen ein computergestütztes Diagnoseinstrument für Patienten, die nicht lesen und schreiben können. Das Programm liest die Fragen in der Muttersprache vor, die Antworten sind dann per Touchscreen möglich. Außerdem untersuchte sie, welche Auswirkungen Anhörungen im Asylverfahren auf die Gesundheit traumatisierter Flüchtlinge haben und schuf Behandlungsmanuale für traumatisierte Menschen, die zum Beispiel aufgrund von Folter unter chronischen Schmerzen leiden. Knaevelsrud war an der Entwicklung der S3-Leitlinie für posttraumatische Belastungsstörungen beteiligt und beschäftigte sich schließlich auch mit der Bedeutung von Vergebung im psychotherapeutischen Prozess.


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