Panik und Platzangst

Angst ist ein normales, natürliches Gefühl. Sie schützt uns vor Gefahren. Es gibt aber auch Menschen, die krankhaft Angst haben. Die Angst ist dann so stark, dass sie das Leben gravierend einschränkt. Bei schweren Erkrankungen verlassen Menschen, die z. B. an Platzangst leiden, nicht mehr die eigene Wohnung. Die Angst kann sich dann zu einem Gefängnis entwickeln.

Panikattacken sind Angstzustände, die meist überfallartig auftreten und mit starken körperlichen Symptomen verbunden sind. Von einer Panikstörung spricht man, wenn sich Panikattacken ohne reale Bedrohung dauerhaft wiederholen und eine „Angst vor der Angst“ entsteht. „Platzangst“ („Agoraphobie“) ist die Angst sowohl vor engen Situationen als auch vor weiten Plätzen und großen Menschenmengen. Erkrankte meiden solche Situationen. In der Alltagssprache wird Platzangst häufig anders verstanden. Dort ist nur die Angst vor engen Räumen gemeint.

Platzangst und Panikstörung gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Jeder Zwanzigste erkrankt in seinem Leben einmal an einer dieser Störungen. In Deutschland leiden aktuell rund 1,5 Millionen Menschen an einer Platzangst oder Panikstörung. Platzangst und Panikstörung treten häufig zusammen auf. Frauen erkranken in etwa doppelt so häufig wie Männer an diesen Angststörungen. Das Ersterkrankungsalter liegt häufig bei ungefähr 25 Jahren. Meist liegt gleichzeitig noch eine weitere psychische Erkrankung vor: z. B. Depression, Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch.

Ursachen und Risikofaktoren

Bei der Entstehung von Angststörungen wirken mehrere Faktoren zusammen:

  • Genetische Faktoren: Studien mit Zwillingen weisen darauf hin, dass es Erbanlagen gibt, welche die Entwicklung einer Angststörung wahrscheinlicher machen. Der genetische Einfluss ist jedoch nicht so groß wie z. B. bei Schizophrenien.
  • Psychische Belastungen: Rund 80 Prozent der Erkrankten hatten kurz vor dem erstmaligen Auftreten der Angststörung belastende Lebensereignisse zu bewältigen, wie z. B. der Tod oder die schwere Erkrankung nahestehender Personen, Trennung oder Geburt.
  • Ungünstige Lernerfahrungen: Nach verhaltenstherapeutischen Theorien haben viele der betroffenen Menschen beim Aufwachsen die Erfahrung gemacht, schwierige Situationen nicht alleine meistern zu können, beispielsweise durch einen überbehütenden Erziehungsstil der Eltern. Auch die Beobachtung ängstlicher Eltern kann eine Rolle spielen.
  • Unbewusste Konflikte: Nach psychodynamischen Theorien treten die Ängste erstmalig in einer Situation auf, welche die Patienten unbewusst an eine konflikthafte Situation aus der Kindheit erinnert. Typischerweise liegen bei Angststörungen so genannte „Abhängigkeits-/Unabhängigkeitskonflikte“ vor.
  • Weitere Risikofaktoren: Krankheitserfahrungen (z. B. Asthma) in der Kindheit, Rauchen.

 

 

Symptome

Panikattacken: Zu den Symptomen zählen Herzklopfen, beschleunigter Herzschlag, Schwitzen, Zittern, Brustschmerzen, Erstickungsgefühle, Schwindel, Übelkeit, Hitzewallungen oder Entfremdungsgefühle. Damit gehen oft Befürchtungen einher, die Kontrolle zu verlieren, zu sterben oder verrückt zu werden. Die Symptome erreichen innerhalb von zehn Minuten einen Höhepunkt. Sie können unerwartet („aus heiterem Himmel“) oder in bestimmten Situationen auftreten.

Von einer Panikstörung spricht man, wenn mehrere Panikattacken über mindestens einen Monat ohne reale Bedrohung auftreten. Die betroffenen Menschen entwickeln oft eine „Angst vor der Angst“, die zu Beeinträchtigungen des täglichen Lebens führt.

Experten verstehen unter Platzangst die Angst vor dem Auftreten von Panikattacken in bestimmten, ungefährlichen Situationen. Solche Orte sind häufig Kaufhäuser, Kinos, öffentliche Verkehrsmittel, Menschenmengen, enge, geschlossene Räume, Autos oder Brücken. Die Erkrankten vermeiden es dann, sich an Orte zu begeben, an denen dies auftreten könnte, oder ertragen dies nur unter starker Angst. Sie glauben, in diesen Momenten nicht aus der Situation flüchten zu können, hilflos zu sein, die Kontrolle über sich zu verlieren, keine Hilfe zu bekommen oder sogar sterben zu können.

Die Erkrankten leiden erheblich unter ihren Angststörungen. Ohne Behandlung können sich die Panikattacken so häufen, dass der Erkrankte die meiste Zeit des Tages in Angst lebt oder mit der Zeit so viele Situationen meidet, dass er sich nicht mehr aus dem Haus traut.

Diagnostik

Ausführliches psychotherapeutisches Gespräch zur Diagnostik und Differenzialdiagnostik.

Medizinische Untersuchungen zum Ausschluss körperlicher (v. a. neurologischer und kardiologischer) Ursachen.

Fragebögen helfen, die Schwere der Erkrankung abzuschätzen. Hierbei eigenen sich der Fragebogen zu angstbezogenen Kognitionen (ACQ), Fragebogen zur Angst vor körperlichen Symptomen (BSQ) und ein Test zum Vermeidungsverhalten (MI = Mobilitäts-Inventar); alle nach Ehlers & Margraf (1993).

Therapie

Verhaltenstherapie: Der Patient lernt, sich mit den angstauslösenden Situationen zu konfrontieren. Ihm wird Mut gemacht, sich der Situation zu stellen und die Erfahrung zu machen, dass die Angst nach kurzer Zeit nachlässt, wenn er nicht mehr ausweicht. Übertriebene Befürchtungen, z. B. die Erwartung, durch eine Panikattacke zu sterben, werden überprüft.

Psychodynamische Therapie: Der Patient lernt, die Konflikte zu erkennen, die den Ängsten zugrundeliegen. Er versteht, wie seine Ängste durch frühe Beziehungen geprägt sind. Der psychische Konflikt, der sowohl der Grund für seine Angst ist als auch seine aktuellen Beziehungen prägt, wird mittels der Beziehung zum Psychotherapeuten bearbeitet.

Medikamentöse Therapie: Zugelassen sind vor allem Antidepressiva. Ungeeignet sind angstlösende Mittel oder Beruhigungsmittel, da hier die Gefahr sehr groß ist, von diesen Substanzen abhängig zu werden.

Heilungschancen

Ängste weiten sich eher aus, als dass sie von alleine zurückgehen. Eine unbehandelte Angststörung verläuft meist chronisch.

Platzangst und Panikstörung lassen sich sehr gut mit Psychotherapie behandeln. Bis zu 80 Prozent der Patienten sind nach einer psychotherapeutischen Behandlung frei von Angstanfällen.

Auch moderne Antidepressiva zeigen Erfolge in der Behandlung dieser Angststörungen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Wirkung oft nur so lange anhält, wie die Medikamente eingenommen werden. Langfristig ist Psychotherapie wirksamer.

Literatur

Fachliteratur

  • Butollo, W., Rosner R. & Wentzel A. (1999). Integrative Psychotherapie bei Angststörungen. Bern: Huber.
  • Hoffmann, S. O. (2008). Psychodynamische Therapie von Angststörungen. Suttgart: Schattauer.
  • Schneider, S. & Margraf J. (1998). Agoraphobie und Panikstörung. Fortschirtte der Psychotherapie, B. 3. Göttingen: Hogrefe.
  • Wittchen, H.-U. & Hoyer, J. (2006, Hrsg.). Klinische Psychologie und Psychotherapie. Berlin: Springer.

 Ratgeber

  • Heinrichs, N. (2007). Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie. Informationen für Betroffene und Angehörige Göttingen: Hogrefe.
  • Leidig, S. & Glomp, I. (2003). Nur keine Panik! Ängste verstehen und überwinden. München: Kösel.
  • Schmidt-Traub, S. (2008). Angst bewältigen. Selbsthilfe bei Panik und Agoraphobie, 4. Aufl. Berlin: Springer.

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