Wer behandelt psychische Krankheiten?


Hilfe bei psychischen Krankheiten finden Sie in den Praxen niedergelassener Psychotherapeuten, in Ambulanzen und Krankenhäusern für psychisch kranke Menschen und in psychosozialen Beratungsstellen.

„Psychotherapeut“ darf sich nicht jeder nennen. „Psychotherapeut“ ist eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Als Psychotherapeut darf sich nur bezeichnen, wer eine staatlich geregelte Ausbildung absolviert hat und psychische Krankheiten mit wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren behandelt. Psychotherapeut dürfen sich nur Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie ärztliche Psychotherapeuten nennen.

Psychologische Psychotherapeuten

Psychologische Psychotherapeuten behandeln Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Sie haben zunächst ein Psychologiestudium an einer Universität abgeschlossen und dann nach einer drei- bis fünfjährigen, staatlich geregelten psychotherapeutischen Ausbildung die Approbation als Psychotherapeut beziehungsweise Psychotherapeutin erhalten.

Diplom-Psychologen haben dagegen ein Psychologiestudium absolviert, aber keine zusätzliche Ausbildung in Psychotherapie. Sie sind vor allem in der Forschung, im Personalwesen, in psychologischen Diensten oder Beratungsstellen und der Organisationsberatung tätig.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten


Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten behandeln Patienten, die nicht älter als 20 Jahre sind.

Sie haben zunächst ein Pädagogik- oder Sozialpädagogikstudium um an einer Universität oder Fachhochschule oder ein Psychologiestudium absolviert und danach eine drei- bis fünfjährige staatlich geregelte psychotherapeutische Ausbildung speziell für die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen mit der Approbation abgeschlossen.

Wie finde ich einen Psychotherapeuten?

Eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten in Ihrer Nähe finden Sie auf den Internetseiten der Psychotherapeutenkammern. Dort können Sie suchen, indem Sie zum Beispiel Ihre Postleitzahl eingeben. Sie erhalten dann eine Liste der Psychotherapeuten in Ihrem Postbezirk. Bei den genannten Psychotherapeuten können Sie sicher sein, dass diese approbiert sind und sich deshalb auch als Psychotherapeut bezeichnen dürfen. Nicht alle approbierten Psychotherapeuten haben allerdings eine Kassenzulassung. Achten Sie deshalb bitte darauf, dass Sie Ihre Suche darauf einschränken und das entsprechende Kästchen markieren, wenn Sie einen Psychotherapeuten suchen, der mit einer gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen kann.

Wenn Sie jedoch nachweislich keinen Behandlungsplatz bei Psychotherapeuten mit Kassenzulassung finden, haben Sie unter bestimmten Voraussetzungen einen gesetzlichen Anspruch, dass die Krankenkasse Ihnen die Kosten für die Behandlung bei einem Psychotherapeuten mit Privatpraxis erstattet (siehe zur Kostenerstattung: "Wer übernimmt die Kosten?"). Dann setzen Sie das entsprechende Kreuz bei der Suche nicht. Auf den Seiten zur BPtK finden Sie eine Liste der Landespsychotherapeutenkammern.


Hausärzte

Viele Menschen gehen bei psychischen Beschwerden zunächst zu ihren Hausärztinnen und Hausärzten, weil sie diese bereits kennen oder weil sie zunächst überwiegend die körperlichen Symptome ihrer psychischen Krankheit bemerkt haben. Sie berichten dann von Schlafstörungen, Magenschmerzen oder Herzrasen. Die meisten seelischen Krankheiten sind auch mit körperlichen Beschwerden verbunden. Der Hausarzt untersucht, ob eine organische Ursache ausgeschlossen werden kann und die Beschwerden auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen sind. Gegebenenfalls überweist er Sie dann zu einer Psychotherapeutin beziehungsweise einem Psychotherapeuten, damit diese beziehungsweise dieser Sie genauer untersucht und feststellt, ob eine und welche spezifische psychische Erkrankung vorliegt.

Ärztliche Psychotherapeuten

Psychische Krankheiten werden auch von Fachärzten diagnostiziert und behandelt. Dazu gehören insbesondere Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie oder Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Diese Ärzte haben Medizin an einer Universität studiert und danach eine Weiterbildung für die Behandlung psychischer Krankheiten abgeschlossen. Sie können unter anderem Medikamente verordnen und Psychotherapien durchführen.

Ambulanzen

Neben den Praxen von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gibt es psychotherapeutische Ambulanzen. Sie können diese Ambulanzen direkt aufsuchen. Hierzu gehören zum Beispiel Ambulanzen an Hochschulen, die in der Regel an ein Institut für Klinische Psychologie oder Psychotherapie einer Universität angegliedert sind, sowie psychotherapeutische Ambulanzen, die zu einem Krankenhaus gehören, und Ambulanzen an Ausbildungsinstituten für Psychotherapeuten.

Krankenhäuser: Psychiatrie und Psychosomatik

Die Behandlung in einem Krankenhaus sollten Patienten erwägen, wenn ihre Erkrankung besonders schwerwiegend ist und eine ambulante Therapie nicht ausreicht oder zu keinen Verbesserungen führt. Der Vorteil einer stationären Behandlung liegt vor allem darin, dass verschiedene Behandlungsmethoden auch kombiniert durchgeführt werden können. Psychotherapie wird dort beispielsweise sowohl als Einzel- als auch als Gruppentherapie durchgeführt und auch die Angehörigen werden mit einbezogen.

Die Behandlung in einem Krankenhaus kann noch einen weiteren Vorteil haben: In einer Klinik können Sie Abstand gewinnen zu den Sie belastenden Konflikten am Arbeitsplatz oder in der Familie, die eine Behandlung von psychischen Krankheiten erschweren können. Nach einem Krankenhausaufenthalt müssen Sie allerdings lernen, wieder mit diesen Belastungen umzugehen und erreichte Verbesserungen zu stabilisieren. Deshalb ist häufig eine ambulante Anschlusstherapie notwendig.

Grundsätzlich können Sie sich zwischen verschiedenen Kliniken für psychische Erkrankungen entscheiden. In Deutschland gibt es:

  • Krankenhäuser für Psychiatrie und Psychotherapie,
  • Krankenhäuser für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie,
  • Allgemeinkrankenhäuser mit entsprechenden Fachabteilungen,
  • Psychosomatische Rehabilitationskliniken.

Alle stationären Einrichtungen arbeiten mit Behandlungskonzepten, die sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzen können, wie zum Beispiel Psychotherapie (einzeln und in der Gruppe), Medikamente, Ergotherapie,kreative Therapiemethoden (zum Beispiel Kunst- oder Musiktherapie), Physiotherapie und Sport-/Bewegungstherapie.

In einem Krankenhaus arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng in einem Team zusammen, unter anderem Ärzte, Psychotherapeuten, Spezialtherapeuten (zum Beispiel Ergotherapeuten) und das Pflegepersonal. Während in der Psychiatrie in der Regel eine Kombinationsbehandlung aus Medikamenten und psychotherapeutischen Interventionen erfolgt, die unterschiedlich stark gewichtet sein können, bietet die Psychosomatik im Schwerpunkt psychotherapeutische Behandlungskonzepte.


Psychosoziale Beratungsstellen

Bei Konflikten und Krisen können Sie sich auch an psychosoziale Beratungsstellen wenden. Diese bieten Hilfen, um Belastungen zu meistern, denen ein Mensch manchmal nicht mehr alleine gewachsen ist. Meist haben sich die Beratungsstellen spezialisiert und richten sich an bestimmte Personen, wie

  • Kinder, Jugendliche und Eltern,
  • Paare und Familien,
  • chronisch kranke Menschen,
  • Frauen,

oder sie haben spezielle Schwerpunkte wie:

  • Schwangerschaft,
  • Sexualität,
  • Sucht.

In Beratungsstellen arbeiten sowohl Sozialarbeiter und Sozialpädagogen als auch Psychotherapeuten. Getragen werden diese Einrichtungen von Städten und Gemeinden oder Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und Vereinen.

Die Beratung ist meist kostenlos.

Das psychosoziale Angebot kann jeder nutzen, dem seine Alltagskonflikte über den Kopf wachsen. Es richtet sich an Menschen mit normalen Lebenskrisen und -problemen.

Im örtlichen Telefonbuch, in der Tageszeitung oder im Internet finden sich die Adressen dieser Beratungsstellen meist unter dem Stichwort „Beratung“.


Spezielle Hilfen für chronisch kranke Menschen

In sozialpsychiatrischen Zentren findet in der Regel keine Behandlung psychischer Krankheiten statt. Die Zentren beraten und unterstützen Menschen mit psychischen Erkrankungen im Alltag, gewährleisten Hilfen bei Krisen, ermöglichen eine sinnvolle Tagesgestaltung und Beschäftigung, bereiten Rehabilitationsmaßnahmen vor, ermöglichen Angehörigenarbeit und helfen bei Problemen am Arbeitsplatz. Die Adressen von sozialpsychiatrischen Zentren finden Sie auf den Internetseiten der Gesundheitsämter der Städte und Gemeinden.

Heilpraktiker für Psychotherapie

Heilpraktiker verfügen über keine Approbation, sondern über eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz. Zum Erhalt dieser Erlaubnis muss der Antragsteller das 25. Lebensjahr vollendet haben, mindestens eine abgeschlossene Volksschulbildung (wenigstens den Hauptschulabschluss) nachweisen, sittlich zuverlässig sein, in gesundheitlicher Hinsicht zur Ausübung des Berufs geeignet sein und bei der Überprüfung seiner Kenntnisse und Fähigkeiten durch das Gesundheitsamt nachweisen, dass die Ausübung der Heilkunde durch ihn keine Gefahr für die Volksgesundheit bedeutet.


Heilpraktiker mit einer umfassenden Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde dürfen körperliche und seelische Leiden feststellen und eine eigene Therapie auch mit körperlichen Behandlungen durchführen. Sie wenden für Diagnose und Therapie häufig Methoden der Naturheilkunde oder der Alternativmedizin an.

Manche Heilpraktiker verfügen lediglich über eine eingeschränkte Heilkundeerlaubnis auf dem Gebiet der Psychotherapie. Bei Heilpraktikern für Psychotherapie ist nicht sichergestellt, dass sie ausreichend qualifiziert sind, um psychische Krankheiten mit wissenschaftlich anerkannten Methoden zu behandeln. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist die psychotherapeutische Behandlung durch Heilpraktiker keine „Kassenleistung“. Heilpraktiker dürfen sich nicht als Psychotherapeuten bezeichnen. Sie nennen sich deshalb oft „Heilpraxis für Psychotherapie“ oder „Heilpraktiker für Psychotherapie“.