BPtK 25. Juni 2007
Alkohol im Alter - Anti-Drogentag 2007

Ein Drittel aller Alkoholiker erkrankt erst nach dem 65. Lebensjahr. "Alkoholismus im Alter wird häufig übersehen und unterschätzt", erläutert Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), anlässlich des morgigen Anti-Drogentages 2007. "Die Menschen trinken mehr Alkohol. Risikoreich für Ältere ist dabei vor allem die Kombination von chronisch hohem Alkoholkonsum und Medikamenten."

Ein Drittel aller Alkoholsüchtigen sind Spätabhängige. Ihre Sucht beginnt erst nach dem 65. Lebensjahr, das heißt nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben. Menschen über 65 Jahre konsumieren zwar weniger als die trinkfreudigen 40- und 50jährigen, aber immer noch deutlich mehr als 18- bis 35jährige (Bundesgesundheitssurvey: Alkohol). Dabei vertragen ältere Menschen weniger Alkohol, weil die Leber ihre Fähigkeit verliert, giftige Substanzen abzubauen. Gleichzeitig benötigen ältere Menschen wesentlich mehr Medikamente. Die Kombination von Alkohol und Medikamenten führt im Alter häufig zu schädlichen Nebenwirkungen und zu erheblich mehr Arzneimittelvergiftungen. "Angehörige, Ärzte und Pflegepersonal sehen bei älteren Süchtigen jedoch vielfach nicht hin", erklärt BPtK-Präsident Richter. "Alkohol im Alter wird nicht selten verharmlost, weil man dem älteren Menschen ihr Glas Schnaps oder Wein nicht missgönnen möchte oder auch weil es sich angeblich nicht mehr lohnt, etwas zu unternehmen." Der Anteil der über 65jährigen Patienten in ambulanten und stationären Suchteinrichtungen ist deshalb verschwindend gering.

Alter bringt neben der Pensionierung viele weitere Veränderungen - positive, aber auch belastende Krisen können durch Krankheit, den Tod nahe stehender Menschen, Schmerzen und die Erfahrung nachlassender Leistungsfähigkeit entstehen. "Alkoholabhängigkeit entsteht im Alter vor allem in Einsamkeit", erklärt Rainer Richter. "Alkohol ist aber auch für ältere Menschen keine Lösung. Sie brauchen eine angemessene Behandlung ihrer Sucht."

Nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung beträgt die Höchstmenge für einen "gesundheitlich verträglichen Alkoholkonsum" bei Männern 20 g pro Tag und bei Frauen 10 g pro Tag. Das heißt: Männer, die täglich mehr als zwei, und Frauen, die täglich mehr als ein Glas eines alkoholischen Getränks trinken, setzen sich einer erhöhten Gesundheitsgefahr aus.

Pressekontakt

Kay Funke-Kaiser

Pressesprecher

Telefon: 030 278785-21
E-Mail: presse[at]bptk.de