BPtK 22. September 2006
Depressionen nach Herzinfarkt oft übersehen

BPtK zum Weltherztag am 24. September

Jeder fünfte Patient mit einem akuten Herzinfarkt erkrankt auch an einer Depression. "Die Chance, dass diese begleitende Depression erkannt und behandelt wird, ist in Deutschland jedoch sehr gering", hob Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), anlässlich des Weltherztages am 24. September hervor.

Das Disease-Management-Programm (DMP) "Koronare Herzkrankheiten" empfiehlt dem behandelnden Arzt zwar, auf Depressionen nach einem Herzinfarkt zu achten. "Unverständlicherweise fehlen jedoch professionelle Screening-Instrumente, die einen verlässlichen Check depressiver Symptome ermöglichen. "Eine Verengung der Herzkranzgefäße führt im deutschen Gesundheitssystem zu aufwendigen und kostspieligen Interventionen und einer europäischen Spitzenposition bei Herzkatheder-Untersuchungen", wundert sich BPtK-Präsident Rainer Richter. "Ein monatelanges Leiden an einer Depression erscheint dagegen keiner planmäßigen psychotherapeutischen Behandlung wert." Eine komorbide depressive Erkrankung ist dabei mit einem deutlich erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko verbunden.

Aus psychotherapeutischer Sicht sind auch die Empfehlungen zum Rauchen, die jüngst in der Nationalen Versorgungsleitlinie zur chronischen koronaren Herzkrankheit veröffentlicht wurden, "erstaunlich amateurhaft". Die bloße Ermahnung eines behandelnden Arztes, "das Rauchen dringend aufzugeben", führt nachweislich zu kaum einer Verhaltensänderung. Klassische Interventionen zur Raucherentwöhnung sollten vielmehr um psychotherapeutische Interventionen zur Lebensstiländerung, die langfristig Erfolg versprechen, ergänzt werden.

"Den meisten Menschen ist durchaus bewusst, dass sie ihre Gesundheit schädigen, wenn sie rauchen, zu viel Alkohol trinken, sich falsch ernähren oder sich zu wenig bewegen", erklärte Psychotherapeutenpräsident Rainer Richter. "Wissensvermittlung allein hilft aber nicht." Die Nationale Versorgungsleitlinie zur chronischen koronaren Herzkrankheit wurde erarbeitet, ohne dass Patienten- bzw. Selbsthilfeorganisationen, Fachgesellschaften für Psychotherapie, Ernährungswissenschaft, Physiotherapie oder Sporttherapie beteiligt waren.

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