BPtK 29. Mai 2007
Nikotinsüchtige Jugendliche: Wirksame Behandlungskonzepte fehlen

Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland raucht mindestens einmal die Woche. Jeder zehnte konsumiert zehn und mehr Zigaretten am Tag, jeder 50. Jugendliche sogar mehr als 20 Zigaretten am Tag. "Mehr als 80 Prozent der Nikotinsüchtigen fangen als Jugendliche mit dem Rauchen an", erklärte Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai. "Innerhalb kurzer Zeit entsteht häufig ein regelmäßiger Konsum, der auch die Wahrscheinlichkeit für Alkohol- und Drogenkonsum erhöht."

Dabei ist der Anteil der Raucher unter den Jugendlichen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Dies ist auch ein Erfolg verschiedener Präventionsansätze, die Zigaretten weniger verfügbar machen und Jugendliche befähigen, gar nicht erst mit dem Rauchen zu beginnen oder bereits im Probierstadium wieder mit dem Rauchen aufzuhören. Nicht zuletzt gehören dazu auch die drastischen Erhöhungen der Tabaksteuer in den vergangenen Jahren. Sollte es zu einem umfassenden Nichtraucherschutzgesetz kommen, das das Rauchen weitgehend aus der Öffentlichkeit verbannt, dürfte dieser Trend noch weiter verstärkt werden.

"Die Erfolge der Prävention dürfen jedoch nicht vergessen lassen, dass Nikotin ein hohes Suchtpotenzial besitzt", stellte BPtK-Präsident Richter fest. "Gerade bei Jugendlichen führt Tabakkonsum zu einer schnellen Abhängigkeit." Ein Viertel der Jugendlichen im Alter von 12 bis 13 Jahren zeigt bereits nach wenigen Wochen gelegentlichen Rauchens körperliche Entzugssymptome wie Nervosität und Gereiztheit. Über die Hälfte der rauchenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat zwar den Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören oder weniger zu rauchen, doch gerade jugendliche Raucher schaffen es selten ohne fremde Hilfe. Es fehlen spezielle Angebote für nikotinsüchtige Jugendliche, die von interaktiven Selbsthilfeprogrammen über das Internet bis hin zu Therapieangeboten für stark abhängige jugendliche Raucher reichen können. "Häufig entwickeln stark rauchende Jugendliche bereits in den ersten Jahren weitere psychische und physische Erkrankungen, die schnell zu chronischen Leiden werden", betonte Richter.

Bei der Behandlung von abhängigen Rauchern muss mit einem hohen Anteil erfolgloser Rauchstoppversuche und Rückfällen gerechnet werden. Dies sollte nicht gleich als Scheitern des therapeutischen Bemühens oder Versagen auf Seiten des Patienten interpretiert werden. Tabakabhängigkeit ist eine chronische Erkrankung und der Weg zu Rauchfreiheit sollte als längerer Prozess betrachtet werden.

Pressekontakt

Kay Funke-Kaiser

Pressesprecher

Telefon: 030 278785-21
E-Mail: presse[at]bptk.de