BPtK 22. Juni 2006
Weltdrogentag - 26. Juni 2006

Cannabis im Trend - Psychoaktive Substanzen bei Jugendlichen

Etwa jeder dritte Jugendliche in Deutschland probiert Cannabis aus. Fast jeder 35. Jugendliche (2,7 Prozent) missbraucht Haschisch oder Marihuana und etwa jeder 70. gerät in Abhängigkeit. Cannabis gehört weltweit zur meist konsumierten illegalen Droge (2,5 Prozent der Weltbevölkerung).

Menschen gebrauchen seit jeher und in allen Kulturen psychoaktive Substanzen. "Nicht jeder Cannabiskonsum von Jugendlichen ist extrem gefährlich", erklärte Prof. Dr. Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). "Jugendliche experimentieren - leider auch mit Drogen." In den meisten Fällen entsteht daraus kein dauerhafter Missbrauch. "Eine aktive Drogenpolitik muss dazu beitragen, dass Jugendliche alterstypische Experimente ohne dauerhafte Schäden überstehen", stellte Prof. Richter fest.

Die BPtK sieht aktuell drei entscheidende Ansatzpunkte für Drogenprävention:

  • Unterstützung für gefährdete Familien: Insbesondere Eltern, die selber Alkohol oder Drogen missbrauchen, benötigen vor und nach der Geburt ihrer Kinder Beratung und Unterstützung. "Eine gute emotionale Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist ein nicht zu überschätzender Schutzfaktor, der Jugendliche auch später stabiler durchs Leben leitet", betonte Prof. Rainer Richter, und diese ist bei einer Abhängigkeitsproblematik der Eltern oft nicht gegeben.
  • Früherkennung und Therapie verhaltensauffälliger Kinder: Kinder, die schon in ihren ersten Lebensjahren psychisch auffällig sind (Hyperaktivität, Störung des Sozialverhaltens), sind besonders gefährdet. Diese Kinder bzw. ihre Eltern brauchen rechtzeitig wirksame Therapie- und Unterstützungsangebote.
  • Spezielle ambulante Angebot für gefährdete Jugendliche: Jugendliche mit psychosozialen Schwierigkeiten oder regelmäßigem Drogenkonsum brauchen Anlaufstellen, die schnell und unbürokratisch Gespräche und Therapie anbieten. "Wer Jugendlichen in der Pubertät eine akzeptierte Anlaufstation bietet, kann verhindern, dass sich aus psychosozialen Konflikten eine dauerhafte Drogenkarriere entwickelt", erklärte BPtK-Präsident Richter.


Hintergrund: Cannabis

Hauptwirkstoff ist das Tetrahydrocannabinol (THC), das in der weiblichen Pflanze des indischen Hanfs enthalten ist. Marihuana sind die getrockneten Blüten und Blätter des Hanfs, Haschisch ist das getrocknete Harz der Blütenstauden. Cannabis wird meist erstmals im Alter zwischen 16 und 17 Jahren getestet. Dem Erstkonsum geht in der Regel der Konsum legaler Substanzen (Alkohol und Zigaretten) voraus. Es besteht nur eine geringe Tendenz zur Dosissteigerung und Toleranzentwicklung. Bei regelmäßigem Konsum entwickelt sich eine mäßige bis starke psychische, aber keine körperliche Abhängigkeit, so dass beim Absetzen auch keine körperlichen Entzugserscheinungen auftreten. Während des Rausches erlebt der Konsument Euphorie, Entspannung und gesteigerte Empfindsamkeit. Er hat den Eindruck, dass sich die Zeit verlangsamt, Sinneswahrnehmungen wie Farben und Klänge intensiver sind. Seine Urteilsfähigkeit ist eingeschränkt und seine Kritikfähigkeit beeinträchtigt. Cannabiskonsum kann psychotische Reaktionen auslösen, insbesondere bei heute verbreiteten hohen THC-Konzentrationen. Missbrauch von Cannabis führt zu geringem Antrieb, psychomotorischer Verlangsamung und Leistungsstörungen. Da sich der Wirkstoff im Körper nur langsam abbaut, kann noch Wochen nach dem Absetzen die Merkfähigkeit eines Abhängigen beeinträchtigt sein.

Downloads

Pressekontakt

Kay Funke-Kaiser

Pressesprecher

Telefon: 030 278785-21
E-Mail: presse[at]bptk.de