Aus-, Fort- und Weiterbildung

Psychologische Psychotherapeuten haben ein Psychologiestudium und eine mindestens dreijährige Psychotherapeutenausbildung absolviert, die sie dazu qualifiziert, Patienten eigenverantwortlich psychotherapeutisch zu behandeln. Zur Ausbildung gehören eine mindestens einjährige praktische Tätigkeit in einer psychiatrischen Einrichtung und eine umfangreiche theoretische und praktische Ausbildung an einer staatlich anerkannten Ausbildungsstätte, in der ein wissenschaftlich anerkanntes Psychotherapieverfahren vertieft erlernt wird.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten haben ein Studium der Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik absolviert. Danach schließt sich eine psychotherapeutische Ausbildung an, die auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen fokussiert. Am Ende der Ausbildung erfolgt eine staatliche Abschlussprüfung. Sie ist Voraussetzung für die Approbation als Psychologischer Psychotherapeut und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. Die Approbation verpflichtet zur Mitgliedschaft in einer Psychotherapeutenkammer.

Die Psychotherapeutenkammern regeln die Fortbildung und die Weiterbildung von Psychotherapeuten. Psychotherapeuten, die ihren Beruf ausüben, haben die berufsrechtliche Pflicht, sich fortzubilden. Darüber hinaus besteht für Psychotherapeuten, die in der gesetzlichen Krankenversicherung zugelassen sind (Vertragspsychotherapeuten) als auch für Psychotherapeuten, die in einem Krankenhaus angestellt sind, eine sozialrechtlich normierte Verpflichtung zur regelmäßigen Fortbildung. Diese spezifischen Anforderungen sind in Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses definiert.

Die Bundespsychotherapeutenkammer hat eine Muster-Weiterbildungsordnung beschlossen, die eine Weiterbildung in Klinischer Neuropsychologie regelt.


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Prävention

Seit Hippokrates (400 v. Chr.) gilt "Vorbeugen ist besser als heilen." Prävention kann Erkrankungen vermeiden und Behandlungskosten senken. Psychische Erkrankungen entwickeln sich häufig über viele Jahre. Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, steigt zum Beispiel erheblich, wenn eine erste depressive Erkrankung nicht behandelt wird. Deshalb sollten psychische Krankheiten in einem frühen Stadium erkannt und behandelt werden.

Psychotherapeutische Kompetenz trägt wesentlich zum Erfolg von Prävention bei. Ausbruch und Verlauf vieler seelischer, aber auch körperlicher Erkrankungen werden durch das Denken, Fühlen und Handeln des Individuums und seiner Mitmenschen mitbestimmt – in der Familie, der Schule, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis. Information und Aufklärung über Gesundheitsrisiken reichen aber selten aus, um Menschen zu einem gesünderen Lebensstil zu verhelfen. Gerade wenn eingeschliffene Denkmuster und Verhaltensroutinen der Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung im Wege stehen, schaffen Psychotherapeuten die individuellen psychischen Voraussetzungen, damit Verhaltensänderung gelingen kann.

Prävention hat heute in unserer Gesellschaft noch nicht den gleichen Stellenwert wie die Krankenbehandlung. Die Prävention psychischer Erkrankungen ist weit weniger etabliert als die Prävention körperlicher Erkrankungen. Dies zeigt sich unter anderem bei den Kinderfrüherkennungsuntersuchungen und beim Arbeitsschutz.


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Neue Versorgungsformen

Traditionell werden Kranke durch Ärzte, Psychotherapeuten und Krankenhäuser behandelt, mit Leistungen, die gemeinsam mit den Krankenkassen auf Bundesebene ausgehandelt wurden. Die Verträge waren in aller Regel Kollektivverträge, die für alle Ärzte, Psychotherapeuten und Krankenhäuser galten.

Die Gesundheitspolitik hat in den vergangenen Jahren insbesondere mehr Wettbewerb im Gesundheitssystem eingeführt und auch Selektivverträge ermöglicht. Dazu gehören: Strukturverträge, Integrierte Versorgungsverträge, Verträge über Medizinische Versorgungszentren, Disease-Management-Programme. Diese Verträge haben insbesondere das Ziel, die Segmentierung und Sektorisierung des deutschen Gesundheitswesens zu überwinden.

Für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind solche vertraglichen Spielräume besonders wichtig. Menschen mit psychischen Erkrankungen benötigen in besonderem Maße Versorgungsangebote, in denen Sektorbrüche vermieden werden, die Leistungen gut koordiniert werden und die verschiedenen Leistungserbringer eng miteinander kooperieren.


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Rehabilitation

Heute erkranken die Menschen in den Industrieländern an wesentlich anderen Krankheiten als früher. Insbesondere chronische Krankheiten haben zugenommen, die erhebliche Auswirkungen auf die soziale und berufliche Teilhabe der Patienten haben. Damit haben sich auch die Anforderungen an die medizinische und psychotherapeutische Versorgung geändert. Psychische Krankheiten führen zu überdurchschnittlich langen Krankschreibungen am Arbeitsplatz und verlaufen nicht selten chronisch. Sie bedürfen häufig einer Rehabilitation.

Das Rehabilitationssystem in Deutschland ist sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht gut entwickelt. Rehabilitation umfasst alle Maßnahmen zur Vorbeugung, Beseitigung oder Besserung der Folgen von Unfällen, Erkrankungen und sonstigen Gesundheitsstörungen. Unterschieden werden:

  • Medizinische Rehabilitationsmaßnahmen zur Behandlung von Krankheitsfolgen, die die Erwerbsfähigkeit bedrohen oder einschränken, z. B. in Psychosomatischen Rehabilitationskliniken,
  • Berufliche Rehabilitationsmaßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung, z. B. berufliche Trainingsprogramme, Berufsförderungswerke,
  • Soziale Rehabilitationsleistungen zur Sicherung der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft, z. B. Wohnungshilfen, betreutes Wohnen.

Rehabilitationsmaßnahmen werden in Deutschland von verschiedenen Kostenträgern finanziert, bspw. von der Deutschen Rentenversicherung Bund, den Krankenkassen, den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe oder der Sozialhilfe.

Psychotherapeutische Kompetenzen sind in der Rehabilitation von psychisch kranken Menschen aber auch bei psychosozialen Aspekten körperlich Kranker erforderlich.


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Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement

Im Gesundheitswesen kommt der Qualitätssicherung spätestens seit dem Gesundheitsreformgesetz 1989 eine stetig wachsende Bedeutung zu. Auch in der Psychotherapie muss z. B. sichergestellt sein, dass Patienten die fachlich richtige Diagnose und Behandlung erhalten. Grundsätzlich wird zwischen Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität unterschieden.

Im ambulanten Bereich wurde als ein wichtiges Qualitätssicherungsinstrument in der Psychotherapie schon frühzeitig das so genannte Gutachterverfahren implementiert, das einen wichtigen Aspekt der Prozessqualität abdeckt. Jede Psychotherapie erfordert grundsätzlich einen Antrag, in dem Anamnese, Diagnostik, Krankheitsgenesemodell und eine detaillierte Therapieplanung aufgeführt sind. Der Antrag wird von einem qualifizierten externen Gutachter geprüft. Erst nach Zustimmung durch den Gutachter übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Behandlungskosten.

Aspekte der Strukturqualität sind insbesondere die Definition von Qualifikationsvoraussetzungen für die Erbringung bestimmter psychotherapeutischer Leistungen. Seit einigen Jahren wird darüber hinaus in Modellprojekten geprüft, welche Maßnahmen sich im Bereich der Ergebnisqualität eignen könnten und ggfs. verbindlich vorgeschrieben werden sollten. Seit 1. Januar 2006 sind psychotherapeutische Praxen in der gesetzlichen Krankenversicherung verpflichtet, ein Qualitätsmanagement durchzuführen. Ähnliche Regelungen finden sich seit 2004 auch für den Krankenhaussektor.

Im Bereich der stationären psychotherapeutischen Versorgung gab es die intensivsten Bemühungen um einen umfassenden Qualitätssicherungsansatz in der medizinischen Rehabilitation. Im Jahr 1994 wurde dort ein Qualitätssicherungsprogramm einschließlich externer Qualitätssicherungs-Maßnahmen initiiert und seither stetig weiterentwickelt.

Mit dem Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-WSG) wurde darüber hinaus der Grundsatz der einrichtungs- und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung eingeführt. Das AQUA-Institut hat hierfür vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GB-A) den Auftrag erhalten, Verfahren zur Messung und Darstellung der Versorgungsqualität für die Durchführung der einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung zu entwickeln, die möglichst sektorenübergreifend anzulegen sind. Das AQUA-Institut soll sich darüber hinaus auch an der Durchführung der einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung beteiligen.


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Leitlinien

Leitlinien sind Handlungsempfehlungen für Psychotherapeuten, Ärzte und Patienten. Sie werden systematisch entwickelt und wissenschaftlich begründet. Sie beschreiben, welche Entscheidungen bei der Diagnostik und Behandlung von Krankheiten zu treffen sind, welche Alternativen bestehen, wie wirksam die verschiedenen therapeutischen Maßnahmen sind und welche Nebenwirkungen sie haben. Sie geben den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der in der Praxis bewährten diagnostischen und therapeutischen Verfahren wieder und sind damit eine wichtige Orientierungshilfe für Psychotherapeuten und Ärzte. Von diesen Empfehlungen kann und ggf. muss in begründeten Fällen abgewichen werden.

Darüber hinaus gibt es Leitlinien, die zusätzlich die Koordination zwischen Ärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und anderen Berufen zum Ziel haben und die Struktur der Krankenversorgung verbessern wollen. Solche Versorgungsleitlinien sind z. B. Konzepte zur Integrierten Versorgung und Disease-Management-Programme.


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Psychotherapeuten in Europa

Die Ausbildung und Berufsausübung von Psychotherapeuten ist in Europa sehr unterschiedlich geregelt. Die meisten Mitgliedstaaten lassen unterschiedliche Berufe zur Psychotherapieausbildung zu. In allen Ländern können neben Ärzten auch Psychologen eine Ausbildung bzw. Weiterbildung absolvieren, wobei in der Regel ein Hochschulabschluss auf Masterniveau vorausgesetzt wird.

Die EU-Berufsanerkennungsregelungen stellen sicher, dass Harmonisierungen nicht zu einer Unterhöhlung der Ausbildungs- und Berufsstandards in Deutschland führen. Mit Blick auf eine ausreichende psychotherapeutische Versorgung aller psychisch kranken Menschen sollte es allerdings Mindestqualifikationsstandards für Psychotherapeuten in ganz Europa geben.


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Stationäre Versorgung

Menschen mit psychischen Erkrankungen können in Deutschland in Krankenhäusern für Psychiatrie und Psychotherapie, in Krankenhäusern für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, in Allgemeinkrankenhäusern mit entsprechenden Fachabteilungen und in Kliniken für Psychosomatische Rehabilitation bzw. in Fachkliniken für Suchterkrankungen stationär behandelt werden. Für psychisch kranke Kinder und Jugendliche sind Krankenhäuser für Kinder- und Jugendpsychiatrie zuständig.

In Deutschland stehen für erwachsene Patienten rund 70.000 stationäre Behandlungsplätze zur Verfügung. Die meisten stationären Behandlungsplätze finden sich in der Psychiatrie. Sie verfügte im Jahr 2008 über rund 53.000 Betten. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es weitere rund 5.000 Betten.

Psychotherapie ist ein zentraler Bestandteil in der stationären Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Psychotherapeuten sind in allen Bereichen der stationären Versorgung tätig und übernehmen zentrale Behandlungsaufgaben. Insgesamt arbeiten rund 7.000 Psychotherapeuten in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen.


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Ambulante Versorgung

Menschen mit psychischen Erkrankungen können sich direkt an einen niedergelassenen Psychotherapeuten wenden. Eine Überweisung ist hierfür nicht erforderlich.

Die ambulante vertragspsychotherapeutische Versorgung wird in Deutschland von 13.369 Psychologischen Psychotherapeuten, 3.110 Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und 5.322 ärztlichen Psychotherapeuten sichergestellt. Diese 21.801 KV-zugelassenen Psychotherapeuten versorgen pro Quartal circa eine Million Patienten in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Psychotherapeutische Leistungen werden darüber hinaus auch von weiteren 1.702 Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie und 843 Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie erbracht.

Als psychotherapeutische Behandlungsverfahren sind derzeit als so genannte „Richtlinienverfahren“ zugelassen die Analytische Psychotherapie, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie.


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Checkliste Psychotherapeutenbewertungsportale

Ein Psychotherapeut muss hohe Qualifikationsanforderungen erfüllen, um die gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ führen zu dürfen. Bewertungs- und Suchportale, die Patienten und Verbrauchern helfen wollen, sollten dieses Qualitätskriterium beachten. Außerdem sollten diese Portale auch Informationen darüber enthalten, ob Psychotherapeuten mit gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können.

Die BPtK hat zusammen mit dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) Qualitätskriterien für Bewertungsportale entwickelt, die von den Portalbetreibern genutzt werden können, um ihre Angebote zu prüfen und weiterzuentwickeln.


Informationen zu Psychotherapeutenbewertungsportalen

Updates

Der BPtK-Newsletter 04/2014 ist online [mehr]

Die BPtK-Studie: PT in der medizinischen Rehabilitation ist online [mehr]

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Termine

24.04.2015
Diotima-Ehrenpreis [mehr]

25.04.2015
26. Deutscher Psychotherapeutentag [mehr]

14.11.2015
27. Deutscher Psychotherapeutentag [mehr]

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