BPtK 03. Juni 2014
Diagnose „Junge“!

Pathologisierung eines Geschlechts?

Jungen sind doppelt so oft in Förderschulen wie Mädchen und sie verursachen höhere Krankheitskosten. Das gilt besonders bei psychischen Erkrankungen. Hier sind die Krankheitskosten bei Jungen beinahe doppelt so hoch wie bei Mädchen. „Jungen stoßen in ihrer Entwicklung immer mehr an Grenzen“, stellt Peter Lehndorfer, Vorstandsmitglied der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), auf der Veranstaltung „Diagnose Junge – Pathologisierung eines Geschlechts?“ in Berlin fest. „Es fehlt eine öffentliche Diskussion, was Jungen brauchen und was wir für Jungen tun können, damit sie besser und gesünder durch das Leben kommen. Es ist an der Zeit darüber nachdenken, wie wir die Gefährdungen von Jungen in unserer Gesellschaft verringern. Das Präventionsgesetz bietet die Chance, die Weichen für eine nachhaltige geschlechtergerechte Entwicklungs- und Gesundheitsförderung zu stellen.“

Jungen sind bei ihrer Geburt das häufigere Geschlecht. 51,3 Prozent der Neugeborenen sind männlich. Schon durch den plötzlichen Kindstod sterben jedoch deutlich mehr Jungen als Mädchen. Das gefährlichste Alter für Jungen beginnt mit ihrem 15. Lebensjahr. Fast drei von vier Jugendlichen, die im Altern zwischen 15 und 20 Jahren ums Leben kommen, sind männlichen Geschlechts. Grund sind vor allem tödliche Verletzungen. 

Jungen verursachen höhere Krankheitskosten, auch weil sie häufiger psychisch erkranken. Ab dem 7. Lebensjahr ist das Risiko für einen Jungen, an ADHS zu erkranken, viermal höher als bei einem Mädchen. Sie erhalten aufgrund psychischer Störungen mehr als doppelt so häufig Antipsychotika wie Mädchen. Sie benötigen auch deutlich häufiger eine Behandlung im Krankenhaus: 43,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen in psychiatrischen Abteilungen sind Mädchen, aber 56,5 Prozent sind Jungen. Familien mit Jungen benötigen auch deutlich häufiger erzieherische Hilfen durch das Jugendamt, insbesondere im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren.

„Psychische Erkrankungen sind genetisch, psychisch und sozial bedingt. Die Belastungen für Jungen sind in unserer heutigen Gesellschaft offenbar deutlich anders als für Mädchen“, stellt BPtK-Vorstand Lehndorfer fest. „Es kann aber keine Lösung sein, so lange abzuwarten, bis wir auffällig gewordene Jungen besonders fördern oder psychisch krank gewordene Jungen behandeln müssen. Deshalb sollten wir Antworten auf die Frage finden, was wir an den Lebensbedingungen, unter denen Jungen aufwachsen, und an den gesellschaftlichen Einstellungen, Werten und Strukturen verändern können, damit Jungen in einer Welt leben können, die besser zu ihnen passt und die sie weniger gefährdet.“

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