Allgemeine Nachricht 07. November 2006
Kindesmisshandlung: Zwangsuntersuchungen nutzen wenig

Familienministerin und Deutsches Jugendinstitut ablehnend

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hält nichts von verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen, um Kindesmisshandlung und -verwahrlosung frühzeitig zu erkennen. "Wir sollten uns nicht in falscher Sicherheit wiegen", erklärte die Ministerin. "Schwierige Eltern erreicht man nicht mit einer Pflichtuntersuchung."

Von der Leyen hat außerdem verfassungsrechtliche Bedenken gegen kinderärztliche Zwangsuntersuchungen: "Eltern und Kinder wären in Deutschland die einzige Gruppe, die gesetzlich gezwungen würde, zum Arzt zu gehen." UNICEF veröffentlichte eine neue Studie, wonach in den Industrieländern jährlich rund 3.500 Kinder an den Folgen von Misshandlung und Vernachlässigung sterben. Jede Woche sind dies in Deutschland mindestens zwei Todesfälle.

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) in München hält Zwangsuntersuchungen für aufwendig und wenig nützlich. "Klar ist, dass die heutigen Vorsorgeuntersuchungen nicht sehr gut darin sind, Entwicklungsdefizite festzustellen", erläuterte DJI-Psychologe Heinz Kindler. Studien hätten untersucht, was Kinderärzte bei Kindern mit schweren Entwicklungsverzögerungen festgestellt haben: "Sehr oft gar nichts. Die Kinderärzte haben die Probleme entweder nicht erkannt oder nicht notiert." Ungeklärt ist bisher auch, was passieren soll, wenn Eltern mit ihren Kindern nicht zu einer Vorsorgeuntersuchung kommen. Jugendämter, die benachrichtigt werden könnten, bräuchten mehr Zeit und deutlich mehr Personal, um die notwendigen Gespräche zu führen und Hausbesuche zu machen. "Das kostet Geld - darüber wird in der aktuellen Debatte erstaunlich wenig geredet."

Die BPtK fordert die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9, um Screeninginstrumente für Vernachlässigung und Misshandlung zu erweitern. Mit einer "erweiterten Vorsorgeuntersuchung" könnten diese besser erkannt werden. Entscheidend wird es jedoch sein, potenziell gefährdete Kinder möglichst frühzeitig, teilweise schon während der Schwangerschaft, zu identifizieren, diese kontinuierlich zu beobachten und überforderten Eltern frühzeitig Unterstützungsangebote zu unterbreiten. Um das zu erreichen, ist der Ausbau der aufsuchenden Hilfen, insbesondere in der Jugendhilfe, unverzichtbar.

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