BPtK 24. April 2009
"Kontrollierte intensive Erlebnisse"

Wie die CIA die menschliche Psyche sieht

Die Seele des Menschen ist beliebig belastbar - nach diesem Grundsatz führte die CIA in der Zeit der Bush-Regierung brutalste Verhöre durch, wie aus Regierungsmemos hervorgeht, die jetzt in Washington veröffentlicht wurden. Waterboarding wird in diesen Memos als "kontrolliertes intensives Erlebnis" verharmlost, bei dem "die Luftzufuhr für eine Dauer von 20 bis 40 Sekunden leicht unterdrückt wird". Die Todesangst, die durch Waterboarding erzeugt wird, wird dort als ein Gefühl des Erstickens und aufkommender Panik bezeichnet, das aber kein schweres Leid und deshalb keine Folter sei.

"Menschen absichtlich Todesangst einzujagen, ist Folter", stellt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. Die Gefangenen von Guantánamo und Abu Ghraib tragen häufig langfristige psychische Verletzungen davon, weil ihnen nicht nur erhebliche psychische Schmerzen zugefügt wurden, sondern weil sie ihren Folterern vollkommen ausgeliefert waren. Es wurde ihnen jede Kontrolle über die Situation genommen. Kontakt zu Angehörigen, einem Anwalt, einem Gericht oder Menschenrechtorganisationen wurde unterbunden. "Gefolterte können andauernde Persönlichkeitsstörungen entwickeln, insbesondere dann, wenn sie ihren Folterern ohne absehbares Ende ausgeliefert waren. Die CIA nutzte diese wissenschaftlichen Erkenntnisse für eine perfide, berührungslose Folter", erklärte der BPtK-Präsident. "Waterboarding gehört zum Arsenal moderner Folterknechte. Es ist psychische Folter."

Körperliche und seelische Folter gleichen sich in den Folgen: Jede Folter kann eine Person zerstören. Psychische Folter ist ebenso schmerzhaft und verletzend wie physische. Die seelischen Verletzungen bleiben häufig ein Leben lang spürbar. Traumatisierte Menschen befinden sich in einem ständigen Angst- und Alarmzustand. Folter kann ein andauerndes Gefühl des Aus-der-Welt-geworfen-Seins erzeugen.

An der Entwicklung der berührungslosen Foltertechniken waren weltweit auch Psychologen und Psychotherapeuten beteiligt. Die deutsche Psychotherapeutenschaft lehnt in ihrer "Proklamation gegen Folter" vom 31. Mai 2008 jede Form der Folter ab. Für Psychotherapeuten gibt es keine Rechtfertigung, sich an Folter oder der Erforschung und Entwicklung von Foltertechniken zu beteiligen. Psychotherapeuten arbeiten nicht als Berater in Verhören, in denen Foltertechniken angewendet werden. Psychotherapeuten fordern unbedingten Verzicht der Polizei, der Geheimdienste und des Militärs auf physische und psychische Folter.

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