BPtK 29. November 2005
Krankenhausleitung gefordert

DAK-Gesundheitsreport: Stationäre Krankenpflege

Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz nehmen gegen den Trend zu, die Branche Gesundheitswesen ist hiervon besonders betroffen. Insbesondere 20- bis 30jährige Männer und Frauen erkranken überdurchschnittlich häufig vor allem an Angststörungen und Depressionen. "Doch Unternehmen und auch Krankenhäuser können stärker vorbeugen, als sie für möglich halten", erklärte Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), anlässlich des DAK-Gesundheitsreports "Stationäre Krankenpflege". "Die Prävention von psychischen Erkrankungen ist vor allem eine Führungsaufgabe." Viele Unternehmen meiden allerdings noch eine offene Auseinandersetzung mit den psychischen Belastungen in ihrem Betrieb. "Solange der Mitarbeiter schweigt, sucht auch der Vorgesetzte nicht das Gespräch", kritisierte der BPtK-Präsident.

Wenn grundlegende Krankenhausstrukturen sich ändern oder Kliniken fusionieren, entstehen besondere Belastungssituationen, die sich nicht von alleine regeln. Die hohe Dauerbelastung, Zeit- und Leistungsdruck verschärfen sich noch dadurch, dass keiner mehr weiß, wie in Zukunft seine Arbeit aussieht oder ob er überhaupt noch eine Beschäftigung haben wird. Daraus entsteht eine bedenkliche Mischung aus Angst, Erschöpfung, Misstrauen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern sowie verstärkte Konkurrenz zwischen Kollegen. "Viele Krankenhausleitungen nehmen die besonderen Belastungen im Haus zwar wahr, reagieren aber selbst mit Rückzug", stellte BPtK-Präsident Rainer Richter fest. "Krankenhausleitungen müssen ihre Verantwortung für die psychische Gesundheit der Mitarbeiter und das Arbeitsklima stärker wahrnehmen und dürfen ihre Führungsaufgaben nicht auf Budget und Ablaufoptimierung beschränken."

Vermehrte Psychische Störungen in der Berufsgruppe der Pflegenden sei ein Alarmsignal. Wie generell in Berufen mit einer besonderen Verantwortung für das Leben anderer Menschen, bestehe hier die Gefahr, dass aufgrund organisationsbedingter psychischer Belastungen die Fehlerhäufigkeit steige und andere Menschen dadurch Schaden erleiden.


Drei Ansätze sind möglich:

  • Aktive Krankenhausleitung: Die meisten Unternehmen unterschätzen, welche stabilisierende Wirkung verlässliche Information, vertrauensvolle emotionale Beziehungen und Beteiligung an nachvollziehbaren Entscheidungen haben. "Wer bewährte Teams plötzlich auseinander reißt oder über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg bestimmt, wer mit wem wo zukünftig arbeitet, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Betrieb innerlich gelähmt ist", erklärte der BPtK-Präsident.
  • Betriebliche Gesundheitsförderung: Wer systematisch betriebliche Strukturen und Veränderungen analysiert, kann einerseits Organisation und Technik frühzeitig so anpassen, dass sich psychische Belastungen verringern und anderseits durch beziehungsorientierte Interventionen, Konfliktmanagement und Stressprävention die Leistungsbereitschaft und Arbeitskraft seiner Mitarbeiter stärken
  • Psychodiagnostik nutzen: Wer psychisch krank ist, braucht professionelle Hilfe - manchmal dringend. Nicht immer erkennen Betriebsärzte jedoch psychische Störungen. Die Arbeitsmedizin nutzt noch zu selten psychotherapeutisches Wissen, mit denen Symptome für eine seelische Erkrankung zuverlässig erkannt werden können.


Psychische Krankheiten müssen nicht zwangsläufig weiter zunehmen. Die Betriebe können hierzu eine Menge beitragen. "Ändern sollte sich aber auch, wie wir mit seelischen Notlagen umgehen", forderte BPtK-Präsident Rainer Richter. Psychische Störungen sind häufig gravierender und gefährlicher als körperliche Leiden. "Gesundheitliche Prävention heißt deshalb auch, dass früher und systematischer bedacht wird, ob und wie sich aus einer persönlichen Belastungssituation eine psychische Erkrankung entwickelt." Rechtzeitige Interventionen und auch Behandlungen können verhindern, dass sie chronisch werden.

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DAK-Gesundheitsreport "Stationäre Krankenpflege"

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