BPtK 26. November 2013
Psychische Erkrankungen bleiben zu häufig unerkannt – auch bei Soldaten

BPtK: Auslandseinsätze sind nach erfolgreicher Behandlung weiter möglich

Psychische Erkrankungen bleiben zu häufig unerkannt, auch bei Soldaten. Stigmatisierung und Karrierenachteile führen bei der Bundeswehr dazu, dass Angststörungen, Depressionen und Suchterkrankungen häufig nicht erkannt und behandelt werden. Psychische Erkrankungen sind allerdings gut behandelbar. „Es spricht nichts dagegen, dass ein Soldat, der psychisch krank war, aber erfolgreich behandelt wurde, seinen Dienst weiter fortsetzt – und auch an Auslandseinsätzen teilnimmt“, stellt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. „Ein Einsatzverbot bei psychischen Vorerkrankungen wäre inakzeptabel. Sonst dürften z. B. Notärzte, die ebenfalls ein erhöhtes Risiko haben, einem traumatischen Erlebnis ausgesetzt zu werden, ihrer Arbeit nicht weiter nachgehen.“

„Es gibt zuverlässige Methoden, psychische Erkrankungen zu erkennen“, erklärt BPtK-Präsident Richter. Soldaten sollten vor Beginn eines Auslandseinsatzes auf das Vorliegen einer akuten und unter Umständen unbehandelten psychischen Erkrankung untersucht werden. Hierfür liegen gut validierte Instrumente wie z. B. die CIDI-Screening Skalen (Composite International Diagnostic Interview Screening Scales, CIDI-SC) vor. Erst bei auffälligen Werten muss dann ein klinisch-diagnostisches Gespräch mit einem entsprechenden Facharzt oder Psychotherapeuten erfolgen. 

Nach einer aktuellen Studie der Technischen Universität Dresden haben 20 Prozent der Soldaten, die in Auslandseinsätze geschickt werden, psychische Vorbelastungen. Dieser Anteil entspricht dem Anteil von psychisch kranken Männern in der Gesamtbevölkerung. Unerkannt vorbelastete Soldaten, so diese Studie, haben jedoch das vier- bis sechsfache Risiko, mit einer neuen psychischen Erkrankung aus dem Einsatz zurückzukehren.

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