BPtK 18. April 2012
Psychotisch kranke Menschen erhalten selten bestmögliche Behandlung

BPtK-Veranstaltung stellt Modelle guter psychotherapeutischer Versorgung vor

Etwa ein Prozent der Menschen erleidet im Laufe seines Lebens eine psychotische Erkrankung. Psychosen verändern die Art und Weise, wie die Realität wahrgenommen und verarbeitet wird. Psychotisch kranke Menschen leiden z. B. unter Wahnideen, Sinnestäuschungen oder Denkstörungen und den damit einhergehenden Beeinträchtigungen der Stimmung, des Antriebs und der sozialen Funktionen. Evidenzbasierte Leitlinien empfehlen immer auch Psychotherapie als wirksame Behandlungsmethode. „In der Realität dominiert jedoch eine einseitige Pharmakotherapie“, kritisierte Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), auf der Veranstaltung „Gute Praxis psychotherapeutischer Versorgung: Psychosen“ in Berlin. „Psychotisch kranke Menschen erhalten selten die bestmögliche Behandlung.“

Die aktuelle Leitlinie Schizophrenie des britischen National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) weist ausdrücklich darauf hin, dass Psychotherapie den Patienten in allen Phasen der Erkrankung angeboten werden sollte. Die Wirksamkeit der Psychotherapie für die Behandlung sowohl der akuten psychotischen Symptome als auch der Defizite in Emotionalität und sozialen Kontakten und zur Rückfallvorbeugung ist wissenschaftlich gut belegt. „Es ist inzwischen unstrittig, wie psychotisch erkrankte Menschen behandelt werden müssen“, stellte BPtK-Präsident Richter fest. „Das Problem ist heute, dass diese gesicherten Erkenntnisse noch nicht ausreichend umgesetzt werden.“ Die Praxisbeispiele der Veranstaltung zeigten, wie Psychotherapie die Behandlung von psychotisch kranken Menschen verbessern kann.

Menschen mit psychotischen Erkrankungen sind in besonderer Weise auf eine gut abgestimmte sektorenübergreifende Versorgung angewiesen. Moderne Konzepte der integrierten Versorgung können hierbei eine wichtige Brücke bauen. In der regulären ambulanten und stationären Versorgung sind die Rahmenbedingungen, psychotisch kranke Menschen länger und in größeren zeitlichen Abständen psychotherapeutisch zu versorgen, weiter zu verbessern. Bei der Reform der Finanzierung psychiatrischer und psychosomatischer Kliniken müssen psychotherapeutische Leistungen angemessener berücksichtigt werden. Kliniken sollten außerdem verpflichtet werden, Patienten darüber zu informieren, wie ihre Behandlungskonzepte konkret aussehen.

Stichwort Psychose: Psychose ist der Oberbegriff für psychische Erkrankungen, bei denen die Realität verzerrt wahrgenommen wird oder der Bezug zur Realität verlorengegangen ist. Schizophrenie ist eine häufige und schwere Form der psychotischen Erkrankung. Häufig leiden die Betroffenen unter akustischen Halluzinationen, d. h., sie hören Stimmen, die andere nicht hören. Schizophrenie ist keine seltene Krankheit, sondern etwa so häufig wie chronisches Rheuma. Einer von 100 Erwachsenen erkrankt in seinem Leben an einer Schizophrenie. In Deutschland leiden aktuell rund 800.000 Menschen an einer Schizophrenie. Jedes Jahr erkranken rund 8.000 Menschen neu. Die Krankheit tritt meist erstmals im frühen Erwachsenenalter auf. Das Erkrankungsalter liegt bei Männern in der Regel zwischen 20 und 25 Jahren und bei Frauen zwischen 25 und 30 Jahren. Männer und Frauen erkranken gleich häufig. Schizophrenien verlaufen sehr unterschiedlich. Manche Patienten erkranken nur einmal, andere chronisch mit erheblichen Einschränkungen im Alltag. Eine akute Erkrankung lässt sich meistens gut behandeln. Etwa 25 Prozent der Patienten erleiden nur eine einzelne Krankheitsphase. Etwa 50 Prozent der Patienten erleben mehrere Phasen, die aber wieder abklingen – bei 25 bis 30 Prozent der Betroffenen mit phasenhaftem Verlauf kommt es zu einer guten Gesundung. Etwa 25 Prozent der Patienten haben erhebliche Schwierigkeiten, sich wieder vollständig von der Krankheit zu erholen (chronische, schwere Einschränkungen). Auch bei langjährig und ungünstig verlaufenden Psychosen kann es später noch zu einer deutlichen Verbesserung der Gesundheit und des persönlichen Wohlbefindens kommen.

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