Gesetze/Bundestag 24. November 2010
Überholte Altersbilder prägen die psychotherapeutische Versorgung

Bundeskabinett nimmt 6. Altenbericht entgegen

Die vorherrschenden Altersbilder beruhen auf überholten Vorstellungen vom Alter - das stellt der 6. Altenbericht fest, den die Bundesregierung am 17. November entgegengenommen hat. Die Vielfalt der Lebensformen und gerade auch die Stärken älterer Menschen werden noch zu wenig berücksichtigt.

Altersbilder prägen auch die psychotherapeutische Versorgung und tragen dazu bei, dass notwendige psychotherapeutische Behandlungen unterbleiben. Nach dem 6. Altenbericht werden in hausärztlichen Praxen nur gut ein Drittel (38,5 Prozent) der Depressionen bei älteren Menschen erkannt. Die Diagnose "Depression" werde häufig deshalb nicht gestellt, weil deren Symptome bei älteren Menschen mit für das Alter vermeintlich charakteristischen Abbauprozessen und Verlusten erklärt werden. Diese Fehldeutungen führten dazu, dass depressive Patienten notwendige und sinnvolle Hilfen nicht erhalten. Der 6. Altenbericht stellt fest: "Es kann nicht häufig genug betont werden, dass depressive Symptome bis in das höchste Lebensalter therapierbar sind; gegenteilige Überzeugungen sind als das Ergebnis undifferenzierter, eben nicht an empirischen Befunden orientierter Altersbilder zurückzuweisen."

Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), begrüßte die zentralen Aussagen des 6. Altenberichts. Auch die BPtK gehe davon aus, dass ältere Menschen in Zukunft weitaus häufiger eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen werden. Das eindeutige Statement des 6. Altenberichts sei gerade jetzt sehr hilfreich. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) führe in der Bedarfsplanung einen Demografiefaktor ein, der davon ausgehe, dass die heutige Inanspruchnahme ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen in die Zukunft extrapoliert werden könne. "Damit würde der G-BA das bestehende Versorgungsdefizit zementieren", kritisierte der BPtK-Präsident. "Ein realistisches Altersbild führt dagegen zu der Erkenntnis, dass auch ältere Menschen psychisch erkranken und eine leitliniengerechte Behandlung benötigen." Mit der Reform der Bedarfsplanung solle der Demografiefaktor durch eine prospektive und versorgungsorientierte Planung abgelöst werden.

Der Altenbericht zeigt, dass die Häufigkeit einer psychotherapeutischen Behandlung mit zunehmendem Alter deutlich abnimmt. Schon die 60- bis 69jährigen sind mit einem Anteil von etwa 5,2 Prozent an der Gesamtheit aller Patienten in Deutschland erheblich unterrepräsentiert. Bei den über 70jährigen erhält jedoch nur noch einer von Hundert eine Psychotherapie (1,3 Prozent).

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