Gesetze/Bundestag 29. Juni 2006
Weiter keine gesetzliche Regelung zur Bezahlung des Psychiatriejahres

Petitionsausschuss lehnt gesetzliche Regelung ab

Der Bundestag hat die Petition von über 1.000 angehenden Psychotherapeuten nicht unterstützt, für das "Psychiatriejahr", das Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) leisten, gesetzlich eine Vergütung vorzuschreiben. Nach seiner Ansicht ist es in der Ausbildung zu Heilberufen "nicht üblich", eine Vergütung zu zahlen.

Das Psychiatriejahr sei "am ehesten mit den auch im Medizinstudium vorgeschriebenen Praktika bzw. Famulaturen vergleichbar", die auch nicht vergütet werden. Die auszubildenden Psychotherapeuten in Kliniken seien nicht mit einem Assistenzarzt zu vergleichen, der seine ärztliche Ausbildung bereits abgeschlossen hat und aufgrund seiner ärztlichen Approbation zur Ausübung des Arztberufes berechtigt ist.

Angehende Psychotherapeuten absolvieren nach ihrem abgeschlossenen Studium eine psychotherapeutische Ausbildung mit staatlicher Prüfung. Der Abschluss ist entweder nach einer dreijährigen Vollzeitausbildung oder einer fünfjährigen berufsbegleitenden Ausbildung zu erlangen. Während dieser zusätzlichen Ausbildung ist eine einjährige, praktische psychotherapeutische Tätigkeit in einem psychiatrischen oder psychosomatischen Krankenhaus vorgeschrieben. Das Psychotherapeutengesetz sieht dafür keine Vergütung vor.

Das fehlende Entgelt verteuert die Ausbildung zum Psychotherapeuten, die von den Anwärtern schon selbst finanziert werden muss. Die Kosten für die dreijährige Ausbildung liegen zwischen 15.000,00 und 20.000,00 Euro, teilweise sogar noch höher. Fast zwei Drittel der Psychotherapeuten in Ausbildung verfügen deshalb nur über ein Einkommen, das unterhalb des Existenzminimums liegt, ohne dass sie genügend Zeit haben, ihren Lebensunterhalt anderweitig zu verdienen. Sie sind auf familiäre Unterstützung, Ersparnisse und Kredite angewiesen.

Anders als Medizinstudenten, die ihr praktisches Jahr leisten, werden Psychotherapeuten im Psychiatriejahr voll in den Stationsalltag integriert und übernehmen unter fachlicher Aufsicht zu 94 Prozent Einzel- und zu 80 Prozent Gruppentherapien.

Die größere Selbständigkeit und Verantwortung der auszubildenden Psychotherapeuten drückt sich auch darin aus, dass einige Krankenhäuser durchaus bereit sind, von sich aus eine Vergütung zu zahlen, wenn der Markt es verlangt. Nach einer Befragung von 385 Psychotherapeuten in 214 Einrichtungen beziehen rund 40 Prozent der Psychotherapeuten in Ausbildung ein Gehalt zwischen 500 und 1.500 Euro. Eine Vergütung ist in ostdeutschen Bundesländern sogar fast die Regel (80 Prozent). Dagegen können es sich die psychiatrischen Kliniken in Bayern (36 Prozent) und Baden-Württemberg (23 Prozent) leisten, die Arbeit der auszubildenden Psychotherapeuten unentgeltlich zu verlangen. Berlin, Bremen und Hamburg sind als Wohn- und Arbeitsort so interessant, dass die Kliniken fast vollständig auf eine angemessene Entlohnung verzichten können. Im Durchschnitt arbeiten 57 Prozent der Psychotherapeuten im Psychiatriejahr ohne Gehalt.

 

 

Tabelle 1: Wöchentliche mittlere Stundenzahl und Bruttogehalt



Bruttogehalt


Gesamt

0 €

bis 500 €

 bis 1.000 €

bis 1.500 €

über 1.500 €

bis zu 20h

54

14

3

5

4

80

119%

3,0%

0,6%

1,1%

0,9%

17,7%

 

21h bis 30h

97

12

5

8

9

131

21,4%

2,6%

1,1%

1,8%

2,0%

28,9%

 

 

31h bis 40h

88

12

31

20

18

169

19,4%

2,6%

6,8%

4,4%

4,0%

37,3%

 

 

mehr als 40h

20

8

22

11

12

73

4,4%

1,8%

4,9%

2,4%

2,7%

16,1%

Gesammt

259

46

61

44

43

453

57,2%

10,2%

13,5%

9,7%

9,4%

100,0%

Quelle: W. Bursche u.a. "Die praktische Tätigkeit in der psychotherapeutischen Ausbildung: Eine Akteurs- und Betroffenenbefragung zu Struktur- und Prozessqualität und zur Lage der PiA in diesem Ausbildungsabschnitt"; Report Psychologie, erscheint demnächst.

 

 

Tabelle 2: regionale Einkommensunterschiede

Bundesland

Einrichtungen (n)

Praktische Tätigkeit ohne Einkommen

Prozent

N

Baden-Württemberg

69

77

53

Bayern    

88

64

56

Hessen

22

41

9

Niedersachsen

38

34

13

Nordrhein-Westfalen

101

42

42

Stadtstaaten

67

96

64

Sonstige westdeutsche Bundesländer

37

38

14

Ostdeutsche Bundesländer

38

21

8

Gesamt

460

259

Quelle: W. Bursche u.a. "Die praktische Tätigkeit in der psychotherapeutischen Ausbildung: Eine Akteurs- und Betroffenenbefragung zu Struktur- und Prozessqualität und zur Lage der PiA in diesem Ausbildungsabschnitt"; Report Psychologie, erscheint demnächst.

 

Die Vergütung von Psychotherapeuten in Ausbildung könnte durch einen Tarifvertrag geregelt werden, wenn die Tätigkeit einem Arbeitsverhältnis gleichkommt. Nach § 611 BGB besteht dann ein Vergütungsanspruch. Für die Beurteilung, inwieweit ein Arbeitsverhältnis vorliegt, ist entscheidend, ob mit vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeitsprofil Arbeitsverhältnisse mit Vergütungsanspruch bestehen. Das in der Befragung ermittelte Tätigkeitsprofil legt diesen Schluss nahe.

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