Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft

Die Bundespsychotherapeutenkammer vergibt seit 2009 den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft, der jährlich öffentlich verliehen wird. Mit ihm werden Personen geehrt, die sich besonders um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben oder sich durch ein besonderes berufspolitisches oder wissenschaftliches Engagement auszeichnen.

Diotima – Seelenkundige Lehrerin des Sokrates

Diotima (Διοτιμα)

Diotima (Διοτιμα) aus Mantinea, eine mythische Priesterin der Antike, gilt als Lehrerin des Sokrates. In Platons Dialog „Symposion“ schildert Sokrates, was Diotima ihn über das Wesen des Eros lehrte: Eros ist ein Dämon und ein gewaltiger Trieb zum Zeugen im Schönen. Grund ist die Sehnsucht des Liebenden nach Unsterblichkeit im Weiterleben seiner Kinder. Dabei ist die geistige Zeugung die wertvollere: Seelische Kinder sind schöner als leibliche, wie generell die Schönheit der Seele herrlicher ist als die des Leibes. So liegt nahe, dass es Diotima war, die den jungen Sokrates dazu inspirierte, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen. Dies war der Ursprung der abendländischen Seelenkunde und damit auch Seelenheilkunde oder Psychotherapie. Eros ist als die ausgleichende Kraft zu verstehen, die im psychotherapeutischen Prozess Widersprüche aufzulösen vermag, die allein rational nicht bewältigt werden können. Die Inspiration dazu kam von Diotima. Deshalb ist sie die Namensgeberin des Ehrenpreises, den die Bundespsychotherapeutenkammer jährlich vergibt.

Diotima – Ehrenpreis 2019

Prof. Dr. Birgit Kröner-Herwig und Dr. Paul Nilges haben den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft 2019 erhalten. Die deutsche Psychotherapeutenschaft ehrt damit in diesem Jahr eine Kollegin und einen Kollegen, die sich für die Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen engagieren.

Prof. Dr. Birgit Kröner-Herwig

Professorin Kröner-Herwig hatte bis zu ihrer Emeritierung 2016 den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie in Göttingen inne. Mit ihr wird eine Pionierin der psychologischen Schmerzforschung in Deutschland ausgezeichnet. Schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, als das Thema Schmerz in der Psychologie noch wenig prominent war, hat sie sich mit den psychophysiologischen Zusammenhängen chronischer Schmerzen und der Wirkung von Biofeedback bei Kopfschmerzen beschäftigt. Das Forschungsinteresse von Kröner-Herwig galt aber nicht nur den psychophysiologischen Zusammenhängen chronischer Schmerzen, sondern auch der Entwicklung und Erforschung wirksamer Behandlungsansätze. Sie wurde 1990 Mitherausgeberin der ersten Auflage des Lehrbuchs „Psychologische Schmerztherapie“, das heute unter dem Titel „Schmerzpsychotherapie“ als Standardwerk gilt. Durch ihr gesamtes berufliches und persönliches Wirken hat sie damit wesentliche Grundlagen zur Verbesserung der Versorgung von Schmerzpatienten geschaffen.

Dr. Paul Nilges

Dr. Paul Nilges war bis zu seinem Ruhestand leitender Psychotherapeut am DRK Schmerzzentrum in Mainz. Neben seiner klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit hat er sich mit viel Leidenschaft und Engagement für die Etablierung einer qualifizierten Schmerzpsychotherapie in Deutschland eingesetzt. Schon früh hat er erkannt, dass die Rolle der Psychotherapeuten in der interdisziplinären Versorgung von Schmerzpatienten mit einer entsprechenden Qualifizierung an Bedeutung zunimmt und die Integration von Psychotherapeuten in einem ursprünglich rein medizinischen Gebiet fördert. Für die Entwicklung der Schmerzpsychotherapie war deshalb seine langjährige Mitwirkung in der Deutschen Schmerzgesellschaft, die bis dato eher ärztlich dominiert war, überaus wichtig. Mit viel Ausdauer und Überzeugungskraft und trotz Widerständen hat Paul Nilges zudem dafür gekämpft, dass die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz als erste Landeskammer bereits 2006 eine Weiterbildung in „Schmerzpsychotherapie“ eingeführt hat. Der Stellenwert der psychotherapeutischen Mitbehandlung von Schmerzpatienten ist seitdem deutlich gewachsen.

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