20. September 2022

Alkohol verursacht mehr als 20.000 Krebsfälle pro Jahr

Alkoholatlas 2022 veröffentlicht

Durch Alkohol werden schätzungsweise pro Jahr mehr als 20.000 neue Krebserkrankungen und 8.000 Krebstodesfälle verursacht. Besonders häufig sind Darmkrebs bei Männern und Brustkrebs bei Frauen, die jeweils fast 60 Prozent aller alkoholbedingten Krebs-Neuerkrankungen ausmachen. Insgesamt sterben jährlich über 40.000 Menschen vorzeitig an den Folgen ihres Alkohol-Gebrauchs. Das sind zentrale Befunde des Alkoholatlas 2022, der vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg herausgegeben wurde. Als Zellgift, das den gesamten Körper angreift, gefährdet Alkohol stark die Gesundheit: Mehr als 200 Krankheiten werden mit Alkoholkonsum in Zusammenhang gebracht. Dazu gehören neben Schädigungen des Gehirns oder Nervensystems vor allem Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen.

Deutschland gilt dabei als Hoch-Konsumland: Rund zwei Drittel aller Erwachsenen und ein Drittel der Jugendlichen hatte 2021 in den 30 Tagen vor der Befragung Alkohol getrunken, Männer vor allem Bier (70,7 %), Frauen am häufigsten Wein (58,2 %). Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 5,6 Litern Reinalkohol hat die deutsche Bevölkerung den vierthöchsten Bierkonsum in Europa. 16 Prozent der Männer und elf Prozent der Frauen trinken Alkohol in riskanten Mengen, das heißt Frauen mehr als zehn Gramm Reinalkohol pro Tag und Männer mehr als 20 Gramm Reinalkohol pro Tag. Je höher das Bildungsniveau, umso häufiger und mehr wird getrunken: Die Anzahl der Menschen mit hoher Bildung, die wöchentlich trinken, ist in etwa doppelt so hoch wie die Anzahl der Menschen mit geringer Bildung. Das Trinken riskanter Mengen Alkohol tritt bei einem hohen Bildungsgrad 1,5- (Männer) bis 2-fach (Frauen) häufiger auf als bei einem niedrigen Bildungsabschluss. Rauschtrinken, also das Trinken von mehr als vier (Frauen) oder fünf (Männer) Gläsern Alkohol hintereinander, ist am häufigsten bei jungen Menschen zwischen 18 bis 25 Jahren. Im Jahr 2021 hat sich in dieser Altersgruppe jede Dritte* im Monat vor der Befragung einen Rausch angetrunken.

Die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen des hohen Alkohol-Gebrauchs sind gravierend: Pro Jahr fallen aufgrund des schädlichen Konsums rund 57 Milliarden Euro an direkten (z. B. Krankheitskosten) und indirekten (z. B. Arbeitsunfähigkeit) Kosten an. Denen stehen lediglich Einnahmen von 3,2 Milliarden Euro durch die Besteuerung von Alkohol gegenüber. Jede zehnte Straftat und jeder zwanzigste Verkehrsunfall mit Personenschaden erfolgt unter Alkoholeinfluss.

Gegen die negativen Folgen des Alkoholkonsums wird in Deutschland bislang zu wenig getan: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zählen Deutschland zu einem der Länder, das dringend verhältnispräventive Maßnahmen zur Verringerung des riskanten Alkoholkonsums ausbauen sollte. Dieser Einschätzung schließen sich auch die Autor*innen des Alkoholatlas 2022 an: Sie fordern eine erhöhte Alkoholsteuer, ein Mindestalter von 18 Jahren für den Erwerb aller alkoholischen Getränke sowie eine Beschränkung der Bewerbung und Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken.

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