15. November 2019

Herausragendes Engagement für Menschen mit chronischen Schmerzen

Diotima-Ehrenpreis 2019 für Prof. Dr. Kröner-Herwig und Dr. Nilges

Prof. Dr. Birgit Kröner-Herwig und Dr. Paul Nilges haben heute den Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft erhalten. Die deutsche Psychotherapeutenschaft ehrt damit in diesem Jahr eine Kollegin und einen Kollegen, die sich für die Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen engagieren. „17 Prozent aller Deutschen leiden an chronischen Schmerzen – das sind mehr als 12 Millionen Menschen. Ihre Leidensgeschichte dauert durchschnittlich 7 Jahre, mehr als 20 Prozent leiden über 20 Jahre an chronischen Schmerzen“, stellte Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. „Besonders erschreckend ist jedoch, dass es sehr lange dauert, bis Menschen mit chronischen Schmerzen eine wirksame Behandlung erfahren. Bei mehr als der Hälfte aller Menschen mit chronischen Schmerzen dauert es mehr als zwei Jahre. Nur ein Zehntel aller Patienten mit chronischen Schmerzen wird überhaupt einem Spezialisten vorgestellt.“

Mit dem Diotima Ehrenpreis wurden deshalb eine Kollegin und ein Kollege ausgezeichnet, die sich in ihrem Berufsleben dieser Patientengruppe gewidmet und maßgeblich dazu beigetragen haben, eine qualifizierte Schmerzpsychotherapie zu etablieren.

Professorin Kröner-Herwig hatte bis zu ihrer Emeritierung 2016 den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie in Göttingen inne. Mit ihr wird eine Pionierin der psychologischen Schmerzforschung in Deutschland ausgezeichnet. Schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, als das Thema Schmerz in der Psychologie noch wenig prominent war, hat sie sich mit den psychophysiologischen Zusammenhängen chronischer Schmerzen und der Wirkung von Biofeedback bei Kopfschmerzen beschäftigt. Das Forschungsinteresse von Kröner-Herwig galt aber nicht nur den psychophysiologischen Zusammenhängen chronischer Schmerzen, sondern auch der Entwicklung und Erforschung wirksamer Behandlungsansätze. Sie wurde 1990 Mitherausgeberin der ersten Auflage des Lehrbuchs „Psychologische Schmerztherapie“, das heute unter dem Titel „Schmerzpsychotherapie“ als Standardwerk gilt. Durch ihr gesamtes berufliches und persönliches Wirken hat sie damit wesentliche Grundlagen zur Verbesserung der Versorgung von Schmerzpatienten geschaffen.

Dr. Paul Nilges war bis zu seinem Ruhestand leitender Psychotherapeut am DRK Schmerzzentrum in Mainz. Neben seiner klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit hat er sich mit viel Leidenschaft und Engagement für die Etablierung einer qualifizierten Schmerzpsychotherapie in Deutschland eingesetzt. Schon früh hat er erkannt, dass die Rolle der Psychotherapeuten in der interdisziplinären Versorgung von Schmerzpatienten mit einer entsprechenden Qualifizierung an Bedeutung zunimmt und die Integration von Psychotherapeuten in einem ursprünglich rein medizinischen Gebiet fördert. Für die Entwicklung der Schmerzpsychotherapie war deshalb seine langjährige Mitwirkung in der Deutschen Schmerzgesellschaft, die bis dato eher ärztlich dominiert war, überaus wichtig. Mit viel Ausdauer und Überzeugungskraft und trotz Widerständen hat Paul Nilges zudem dafür gekämpft, dass die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz als erste Landeskammer bereits 2006 eine Weiterbildung in „Schmerzpsychotherapie“ eingeführt hat. Der Stellenwert der psychotherapeutischen Mitbehandlung von Schmerzpatienten ist seitdem deutlich gewachsen.

Der Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft wird einmal im Jahr an Personen oder Organisationen verliehen, die sich in besonderem Maß um die Versorgung psychisch kranker Menschen verdient gemacht haben. Der Preis ist nach Diotima aus Mantinea benannt, einer mythischen Priesterin der Antike. Sie gilt als Lehrerin des Sokrates, die ihn dazu inspirierte, als erster Philosoph die Seele des Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens und Lehrens zu stellen.

Download:

PM BPtK: Herausragendes Engagement für Menschen mit chronischen Schmerzen – Diotima-Ehrenpreis 2019 für Prof. Dr. Kröner-Herwig und Dr. Nilges

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