26. November 2013

Immer mehr Menschen in Deutschland nehmen Antidepressiva

BPtK kritisiert zu lange Wartezeiten für psychisch kranke Menschen

Die Zahl der Verschreibungen von Antidepressiva hat sich in Deutschland zwischen 2000 und 2011 verdoppelt. Dies geht aus den Zahlen des aktuellen OECD-Berichts „Health at a Glance“ (Gesundheit auf einen Blick) hervor. 1.000 Menschen erhielten in Deutschland im Jahr 2011 durchschnittlich 50 Tagesdosen Antidepressiva, die Menge eines Arzneistoffs, die innerhalb von 24 Stunden verabreicht wird. 

Als mögliche Gründe für die stark gestiegenen Antidepressiva-Verordnungen durch Ärzte nennt der Bericht eine generelle Zunahme der Behandlungsintensität und -dauer, aber auch die Ausweitung der Indikationen, u. a. auf leichte Depressionen. Dabei raten Leitlinien bei leichten Depressionen ausdrücklich von einer antidepressiven Medikation zur Erstbehandlung ab und empfehlen dafür Psychotherapie. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) kritisiert seit Langem auch die viel zu langen Wartezeiten für psychisch kranke Menschen auf einen Therapieplatz, die dazu führen, dass depressiv erkrankte Menschen medikamentös behandelt werden müssen, weil psychotherapeutische Behandlungsplätze nicht verfügbar sind.

Für einen Teil des Anstiegs macht der Bericht zudem die Wirtschaftskrise verantwortlich, die zu Unsicherheit in der Gesellschaft geführt habe. So sind in Spanien, das von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen ist, die Antidepressiva-Verordnungen von 2007 bis 2011 um 23 Prozent gestiegen. 

Deutschland liegt mit der Verschreibung von Antidepressiva im Mittelfeld der Industrieländer. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 56 Tagesdosen. Spitzenreiter ist Island mit 106 Tagesdosen, gefolgt von Australien, Kanada und Dänemark.

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