9. Oktober 2009

Internationaler Tag der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober

Psychische Störungen frühzeitig erkennen

Es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit. Zu einer angemessenen gesundheitlichen Primärversorgung gehören grundsätzlich auch die Diagnose und Behandlung psychischer Störungen. Der morgige Internationale Tag der Seelischen Gesundheit ruft dazu auf, sich weltweit für eine gleichwertige Versorgung psychischer und körperlicher Erkrankungen einzusetzen. Dazu gehört, dass die Gesundheitsberufe, zu denen Patienten meist den ersten Kontakt aufnehmen, psychische Krankheiten überhaupt erkennen können.

“Deutschland hat mit der Integration von Psychotherapeuten in die vertragsärztliche Versorgung international Maßstäbe gesetzt”, stellt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. “Dennoch werden noch zu viele psychische Krankheiten nicht rechtzeitig erkannt.” Jeder gesetzlich Krankenversicherte kann sich heute direkt an einen Psychotherapeuten wenden. Allerdings suchen die meisten psychisch kranken Menschen zunächst ihren Hausarzt auf. “Hausärzte erkennen nur jede dritte generalisierte Angststörung, depressive Erkrankungen werden nur in zwei von drei Fällen richtig diagnostiziert”, kritisiert BPtK-Präsident Richter. “Dadurch bekommen viele psychisch Erkrankte zu spät eine fachgerechte Behandlung und erkranken schwerer.” Aber auch Krankenschwestern und ambulante Pflegedienste könnten besser darin qualifiziert werden, psychische Erkrankungen zu erkennen.

Psychische Krankheiten sind außerdem bei den Früherkennungsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche (U1 bis U9 und J1) nicht ausreichend berücksichtigt. “Wir reden viel von frühen Hilfen und Prävention. Vorbeugung heißt aber auch, Krankheitsrisiken zuverlässig und rechtzeitig zu erkennen”, so Richter. Bei den Früherkennungsuntersuchungen fehle es jedoch an systematischen und validen Screenings für psychische Krankheiten.

Die Diagnostik und Behandlung psychisch kranker Menschen in der Primärversorgung ist nach Auffassung von Margaret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der pragmatische Weg, um sicherzustellen, dass psychisch kranke Menschen angemessen versorgt werden. Die damit verbundene gemeindenahe Versorgung beugt zugleich der Stigmatisierung vor. Wenn Patienten weiterhin mit ihren Familien leben und ihre Alltagsaktivitäten aufrechterhalten können, werden psychische Erkrankungen entmystifiziert und ihre Versorgung wird für alle selbstverständlich. Ziel dabei sollte außerdem sein, alle psychisch kranken Menschen unabhängig von ihrem Bildungsstand angemessen über ihre Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

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BPtK-Wegweiser für psychisch kranke Menschen in der Coronakrise

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