19. November 2022

Klimaschutz umsetzen und psychischen Gefährdungen begegnen

41. Deutscher Psychotherapeutentag fordert massive Anstrengungen

Der 41. Deutsche Psychotherapeutentag in Berlin fordert massive klimapolitische Anstrengungen, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. „Extreme Wetterereignisse, Überflutungen, Hitzewellen und Trockenheit gefährden die körperliche und psychische Gesundheit“, stellt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), auf dem 41. Deutschen Psychotherapeutentag in Berlin fest. „Dies haben wir in Deutschland beispielhaft bei der Ahr-Flutkatastrophe erlebt. Traumatische Erlebnisse wie das unmittelbare Miterleben von Leid und Tod von Angehörigen und Nachbarn, die Zerstörung der eigenen Wohnung sowie das Erleben von Hilflosigkeit und Überforderung angesichts der Katastrophe können zu langfristigen psychischen Erkrankungen führen. Ängste, Depressionen, traumatische Verletzungen und Drogen-Missbrauch können die Folge sein.“ Weitere Folgen der Klimakrise sind die Verschärfung sozialer Ungleichheit durch die stärkere Betroffenheit vulnerabler Gruppen und die Zunahme gesellschaftlicher Verwerfungen. Und noch viel schwerere klimabedingte Naturkatastrophen bahnen sich an.

Weltweit verlieren schon jetzt Millionen Menschen ihre Heimat und müssen flüchten, weil ihre Lebensgrundlagen durch den Klimawandel zerstört werden. Der Kampf um knappe Ressourcen kann international in Kriegen münden. Prof. Dr. Gerhard Reese, Professor für Umweltpsychologie an der Universität Koblenz-Landau, betonte auf dem 41. Deutschen Psychotherapeutentag, dass schwer zu lösende, globale Krisen potenziell existenzielle Krisen seien. Wichtig sei zu verhindern, dass Menschen in eine ohnmächtige Tatenlosigkeit verfallen. Vielmehr müsse ein angepasster und ausbalancierter Umgang mit der Klimakrise und damit einhergehenden Gefühlen gefunden werden. Den Menschen müsse auf Augenhöhe begegnet und konstruktive Strategien entwickelt werden, um individuelle Ohnmacht zu überwinden.

Psychotherapeut*innen haben die berufsethische Verpflichtung, die psychische Gesundheit der Menschen zu erhalten und zu fördern. Sie setzen sich für die Erhaltung und Förderung der ökologischen und soziokulturellen Lebensgrundlagen ein, die es den Menschen ermöglichen, gesund aufzuwachsen und zu leben. „Psychotherapeutische Beratung und Behandlung kann dazu beitragen, psychische Gefährdungen und Belastungen aufzufangen“, sagt BPtK-Präsident Munz. „Wir haben es bei der umfassenden ökologischen Krise mit einem globalen Problem zu tun, das die gesamte Menschheit und künftige Generationen massiv bedroht. Größte politische und gesamtgesellschaftliche Anstrengungen sind notwendig, um essenzielle natürliche Lebensgrundlagen zu erhalten und die Erderhitzung zu verlangsamen. Psychotherapeut*innen unterstützen notwendige Veränderungen und beteiligen sich mit ihrem Sachverstand an deren Umsetzung.”

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