Hitze als Gefahr für die psychische Gesundheit: unterschätztes Risiko und unzureichender Schutz
Empfehlungen der BPtK anlässlich des Hitzeaktionstags
Gesundheitliche Schäden durch Hitze sind in weiten Teilen vermeidbar, vorausgesetzt, Schutz- und Präventionsmaßnahmen werden frühzeitig ergriffen. Anlässlich des bundesweiten Hitzeaktionstags am 11. Juni 2026 macht die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) auf die erheblichen gesundheitlichen Gefahren durch Hitze aufmerksam und informiert über notwendige Schutzmaßnahmen für psychisch erkrankte Menschen.
Menschen mit psychischen Erkrankungen gehören zu den besonders hitzegefährdeten Bevölkerungsgruppen. Extreme Hitze kann bestehende Symptome psychischer Erkrankungen verschlimmern und dazu führen, dass neue psychische Beschwerden oder Erkrankungen auftreten. Insbesondere bei Menschen mit Schizophrenie, Abhängigkeitserkrankungen, Demenz oder Depressionen sind die Gesundheitsrisiken durch Hitze deutlich erhöht. Zudem kann infolge der Einnahme bestimmter Psychopharmaka die Regulation der Körpertemperatur beeinträchtigt werden. Dadurch steigt das Risiko für gesundheitliche Komplikationen – bis hin zum Tod – an heißen Tagen zusätzlich.
»Die Folgen extremer Hitze für psychisch erkrankte Menschen werden oft unterschätzt“, erklärt Dr. Andrea Benecke, Präsidentin der BPtK. „Menschen mit psychischen Erkrankungen brauchen gezielt Unterstützung und Informationen, wie sie ihre psychische Gesundheit an heißen Tagen schützen können. Psychotherapeutische Praxen müssen vorbereitet sein, ihre Patient*innen wie auch sich selbst zu schützen.“
Die BPtK empfiehlt daher, sowohl bei den Patient*innen als auch beim Personal Risikogruppen zu identifizieren und frühzeitig über individuelle Schutzmaßnahmen zu informieren, wie zum Beispiel ausreichendes Trinken, das Vermeiden körperlicher Belastung während der heißesten Tageszeiten, das Aufsuchen kühler Orte sowie die Beachtung möglicher Auswirkungen von Medikamenten auf den Flüssigkeitshaushalt und die Temperaturregulation. Zudem sollten in den Praxen für den Hitzeschutz verantwortliche Personen bestimmt werden.
»Aufklärung über Hitzegefahren allein reicht allerdings nicht“, betont BPtK-Vizepräsident Dr. Nikolaus Melcop. „Viele psychisch erkrankte Menschen sind nicht in Behandlung. Insbesondere Menschen in prekären Lebenslagen, wie etwa Obdachlose, die während der Hitzeperioden kaum Schutzmöglichkeiten haben, müssen stärker in den Blick genommen werden. Und: Um die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise langfristig zu begrenzen, braucht es umfassende Klimaschutzmaßnahmen, die eine weitere Erderwärmung wirksam abbremsen“, so Melcop.
Hitzeschutz: Materialien für Psychotherapeut*innen
Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat in den vergangenen Jahren verschiedene Materialien und Handlungsempfehlungen entwickelt, um Menschen mit psychischen Erkrankungen besser vor den gesundheitlichen Folgen der Klimakrise und insbesondere vor den Auswirkungen von Hitze zu schützen. Ziel ist es, Psychotherapeut*innen für hitzebedingte Risiken zu sensibilisieren, besonders gefährdete Patientengruppen frühzeitig zu erkennen und geeignete Schutzmaßnahmen in der psychotherapeutischen Versorgung zu unterstützen. Die Materialien richten sich sowohl an Psychotherapeut*innen als auch an Patient*innen und informieren über gesundheitliche Risiken, Präventionsmöglichkeiten und praktische Maßnahmen zum Hitzeschutz im Praxisalltag.
Der Musterhitzeschutzplan bietet Inhaber*innen psychotherapeutischer Praxen eine Orientierung, wie sich Hitzegefahren für Patient*innen sowie Praxis-Mitarbeitende während der Sommermonate wirksam reduzieren lassen.
BPtK-Hitzeschutzflyer
Der BPtK-Hitzeschutzflyer informiert Psychotherapeut*innen und Patient*innen über die Auswirkungen von Hitze auf die psychische Gesundheit, die Identifikation von Risikogruppen und Schutzmaßnahmen.
· Informationen für Psychotherapeut*innen
· Informationen für Patient*innen
BPtK-Standpunkt: Klimakrise und psychische Gesundheit. Informationen und politischer Handlungsbedarf
Der BPtK-Standpunkt bietet Hintergrundinformationen zum Zusammenhang zwischen Klimakrise und psychischer Gesundheit.
Veröffentlicht am 11. Juni 2026