Hohe Temperaturen: psychische Gesundheit bei Hitze schützen
BPtK informiert über Risiken und Schutzmaßnahmen
Eine Hitzeglocke hat sich in den vergangenen Tagen über Europa gelegt. In Deutschland wurden vielerorts extrem hohe Temperaturen bis über 40 Grad gemessen. Auch nachts blieben die Temperaturen hoch. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Je länger hohe Temperaturen anhalten, desto stärker kann die Belastung werden – besonders, wenn sich Wohnungen, Praxen und andere Innenräume aufheizen und auch nachts kaum abkühlen. Hitze belastet dabei nicht nur den Körper, sondern auch die psychische Gesundheit.
Hitze kann Schlaf, Konzentration, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden beeinträchtigen. Sie kann Reizbarkeit, impulsives Verhalten und Aggression fördern sowie bestehende psychische Beschwerden verschlimmern. Menschen mit psychischen Erkrankungen gehören deshalb zu den besonders hitzegefährdeten Gruppen – insbesondere Menschen mit psychotischen, substanzbezogenen, demenziellen, bipolaren oder depressiven Erkrankungen. Auch ältere, pflegebedürftige Personen, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderungen oder chronischen körperlichen Erkrankungen benötigen besonderen Schutz.
Bestimmte Medikamente können die Risiken bei Hitze zusätzlich erhöhen, indem sie den Flüssigkeitshaushalt oder die körpereigene Temperaturregulation verändern. Dazu zählen unter anderem Neuroleptika, Anticholinergika, bestimmte Antidepressiva, Beruhigungsmittel, entwässernde Medikamente, Blutdrucksenker und Antidiabetika. Patient*innen sollten bei Unsicherheit ärztlich klären, ob eine Anpassung der Medikation erforderlich ist.
Die BPtK empfiehlt, Hitzebelastungen möglichst zu verringern und den Alltag an sehr heißen Tagen anzupassen: körperliche Anstrengung vermeiden oder in kühlere Tageszeiten verlegen, direkte Sonne meiden, schattige oder kühlere Orte aufsuchen, Innenräume möglichst früh morgens oder spät abends lüften und tagsüber vor weiterer Erwärmung schützen. Wichtig ist zudem, regelmäßig Wasser oder andere alkoholfreie Getränke zu trinken.
Hitzeschutz ist auch eine gemeinsame Aufgabe. Angehörige, Freund*innen, Nachbar*innen und Behandelnde sollten besonders gefährdete Menschen im Blick behalten – vor allem, wenn sie allein leben, pflegebedürftig sind, in prekären Wohnsituationen leben oder sich aufgrund psychischer Beschwerden nur eingeschränkt selbst schützen können.
Bei gesundheitlichen Beschwerden durch Hitze können die hausärztliche Praxis oder die ärztliche Bereitschaftsnummer 116 117 beraten. Bei Warnzeichen eines Hitzenotfalls wie Bewusstseinstrübung, plötzlicher Verwirrtheit, starken Kopfschmerzen, Fieber über 39 °C, Krampfanfällen, wiederholtem Erbrechen oder steifem Nacken sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Aus Sicht der BPtK reicht individuelle Vorsorge dabei allein nicht aus. Hitzeschutz muss auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene verbindlich verankert und verlässlich finanziert werden. Die psychischen Folgen von Hitze müssen in Hitzeschutzplänen zudem systematisch berücksichtigt werden.
Die BPtK hat in Flyern für Patient*innen sowie Psychotherapeut*innen zusammengefasst, wie Hitze die psychische Gesundheit belasten und man sich selbst und andere davor schützen kann. Im Musterhitzeschutzplan finden Inhaber*innen psychotherapeutischer Praxen eine Orientierung, wie sich Hitzegefahren für Patient*innen sowie Praxis-Mitarbeitende während der Sommermonate wirksam reduzieren lassen.
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Veröffentlicht am 30. Juni 2026