6. Oktober 2020

Gewalt gegen Lehrkräfte nimmt zu

BPtK sieht auch steigende soziale Ungleichheit als Ursache

Laut einer forsa-Umfrage nimmt die psychische und körperliche Gewalt gegen Lehrer*innen weiter zu. Rund jede dritte Schulleitung (34 Prozent) berichtete, dass es an ihrer Schule zu körperlicher Gewalt gegen Lehrer*innen gekommen sei. Im Jahr 2018 war es noch etwa jede vierte Schulleitung (26 Prozent) gewesen. Außerdem gaben fast zwei von drei Schulleiter*innen (61 Prozent) an, dass es an ihrer Schule in den vergangenen fünf Jahren Fälle von psychischer Gewalt gab, bei denen Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. Vor zwei Jahren war es etwa die Hälfte der Schulleiter*innen (48 Prozent).

„Wir müssen davon ausgehen, dass die steigende Gewalt an den Schulen auch Ausdruck zunehmender sozialer Ungleichheit ist“, stellt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), fest. „Die Spannungen durch die steigende Anzahl von Familien in prekären Lebensverhältnissen entladen sich auch an den Schulen.“

„Es ist erschreckend, wie häufig Lehrkräfte von Gewalt betroffen sind“, so BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz. „Es braucht mehr Lehrer*innen, mehr Sozialarbeiter*innen und mehr Schulpsycholog*innen, damit die Schule für Kinder und Jugendliche auch ein Ort ist, an dem sie soziales Miteinander lernen können.“ Außerdem bedarf es mehr spezieller Präventionsangebote in Kitas, Schulen und sozialen Brennpunkten, um Familien dabei zu unterstützen, Konflikte gewaltfrei zu lösen“, fordert BPtK-Präsident Munz. „Um psychisch kranke Schüler*innen besser zu versorgen, bedarf es eines direkten Kontakts und kurzer Wege zu niedergelassenen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen. Hilfreich wäre es auch, wenn Psychotherapeut*innen an den Schulen zu psychischen Erkrankungen, zum Angebot der psychotherapeutischen Sprechstunde und der Familienberatung informieren könnten.

Der Verband Bildung und Erziehung hatte das forsa-Institut mit einer repräsentativen Umfrage zur Gewalt gegen Lehrkräfte beauftragt. Dabei wurden insgesamt 1.302 Schulleiter*innen befragt.

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