3. März 2021

Immer mehr psychisch kranke Kinder und Jugendliche können behandelt werden

BARMER Arztreport 2021 zur Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen

Immer mehr psychisch kranke Kinder und Jugendliche in Deutschland können psychotherapeutisch behandelt werden. Innerhalb der letzten elf Jahre hat sich der Anteil von Kindern und Jugendlichen, die eine psychotherapeutische Leistungen in Anspruch nahmen, mehr als verdoppelt. Er stieg von rund zwei Prozent im Jahr 2009 auf gut vier Prozent im Jahr 2019. Dies geht aus dem gestern veröffentlichten Arztreport 2021 der BARMER hervor. Ausgewertet wurden die Abrechnungsdaten von mehr als 1,6 Millionen Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen unter 24 Jahren. „Diese bessere Versorgung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen war vor allem deshalb möglich, weil sich insbesondere in ländlichen Regionen die psychotherapeutischen Angebote verbessert haben“, erklärt Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer. Mecklenburg-Vorpommern ist mit 3,33 Prozent zwar nach wie vor Schlusslicht in Deutschland, allerdings stieg hier die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen in den letzten elf Jahren besonders stark – und zwar um 239 Prozent.

Die Corona-Pandemie macht allerdings auch das chronische Defizit in der psychotherapeutischen Versorgung deutlich: Erste Auswertungen der BARMER zeigen bereits, dass die Anzahl von Akutbehandlungen und Anträgen für den Beginn oder die Verlängerung einer ambulanten Psychotherapie im Jahr 2020 um etwa sechs Prozent anstieg, im letzten Quartal 2020 sogar um 12,6 Prozent. „Durch den höheren Bedarf steigen auch die Wartezeiten auf eine psychotherapeutische Behandlung“, stellt BPtK-Präsident Munz fest. „Nur zehn Prozent der Anfragenden kann innerhalb eines Monats einen Behandlungsplatz erhalten. Fast 40 Prozent müssen länger als sechs Monate warten.“

Manchmal vergehen sogar Jahre zwischen Diagnose und psychotherapeutischer Behandlung. Bei jeder dritten jungen Patient*in (36,2 Prozent) war bereits fünf Jahre vor Beginn einer ambulanten Psychotherapie eine psychische Störung diagnostiziert worden. Besonders viel Zeit verstrich bei hyperkinetischen Störungen. Bei der Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit Diagnosen wie ADHS vergingen über zwei Jahre, bis eine Psychotherapie begonnen wurde. Ein Viertel hatte auch nach 4,5 Jahren noch keine psychotherapeutische Hilfe erhalten.

Die Auswertungen der BARMER zeigen außerdem, dass junge Menschen oft über Jahre an psychischen Störungen leiden. Fast zwei Drittel (59,3 Prozent) der Kinder und Jugendlichen, die 2014 eine Psychotherapie begonnen hatten, waren länger als ein Jahr in psychotherapeutischer Behandlung. Auch nach fünf Jahren waren noch 62,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen erkrankt. „Eine gesunde Entwicklung ist entscheidend für das ganze Leben,“ betont BPtK-Präsident Munz. „Wer als Kind oder Jugendlicher psychisch erkrankt, ist auch als Erwachsener psychisch stärker gefährdet. Über die Hälfte aller psychischen Erkrankungen entstehen bereits vor dem 19. Lebensjahr. Je früher Kinder und Jugendliche Hilfe und Unterstützung bekommen, umso größer sind die Chancen, dass sich psychische Probleme gut behandeln lassen und rasch wieder abklingen.“

Für fast ein Viertel (23 Prozent) der 2019 begonnenen Psychotherapien waren Anpassungsstörungen und Reaktionen auf schwere Belastungen wie Mobbing oder eine Trennung der Eltern der Auslöser. Zweithäufigste Ursache waren Depressionen mit 18,4 Prozent gefolgt von Angststörungen (14,0 Prozent) und emotionalen Störungen des Kindesalters (13,6 Prozent).

BPtK-Hintergrund "Corona-Pandemie und psychische Erkrankungen"

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BPtK-Wegweiser für psychisch kranke Menschen in der Coronakrise

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