BPtK-Publikation
Social Media: Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen schützen
Kinder und Jugendliche sollen sich in digitalen Räumen sicher und selbstbestimmt bewegen können. Dafür braucht es wirksame Schutzmechanismen, klare Regeln für Plattformen und eine Stärkung der Medienkompetenz.
In einem neuen Impulspapier zu Social Media zeigt die BPtK auf, wie die psychische Gesundheit junger Menschen in sozialen Medien besser geschützt und zugleich ihre digitale Teilhabe gesichert werden kann.
Social Media sind heute fester Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Sie ermöglichen soziale Kontakte, Information, Unterhaltung, bieten Räume für Lernen und Identitätsentwicklung und eröffnen Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe. Gleichzeitig gehen mit ihrer Nutzung erhebliche Risiken für die psychische Gesundheit einher. Dazu zählen pathologische Nutzungsmuster, Cybermobbing, sexualisierte Gewalt, menschenfeindliche oder verstörende Inhalte, Desinformation und verzerrte Körperbilder. Auch manipulative Plattformdesigns wie Endlos-Feeds, automatisch abgespielte Videos und algorithmische Empfehlungssysteme begünstigen eine exzessive Nutzung.
Die BPtK hat ihre Position seit Anfang 2026 im Rahmen der Digitalen Agenda 2030 gemeinsam mit den Landeskammern und BPtK-Kommissionen erarbeitet. Einbezogen wurden insbesondere die Kinder- und Jugendlichenexpert*innen der Landeskammern sowie Akteur*innen aus Wissenschaft, Praxis, Verbraucherschutz, Politik und Gesellschaft. Die strategischen Linien wurden im Mai 2026 vom Deutschen Psychotherapeutentag beschlossen und anschließend weiter konkretisiert.
Für die BPtK ist entscheidend: Digitale Teilhabe und Gesundheitsschutz müssen zusammen gedacht werden. Es dürfen nicht Kinder und Jugendliche sein, die sich an eine riskante digitale Umgebung anpassen oder die vor ihr geschützt werden müssen. Vielmehr müssen Plattformen so gestaltet und reguliert werden, dass sie den Rechten, dem Entwicklungsstand und den Bedürfnissen junger Menschen gerecht werden.
Die BPtK empfiehlt insbesondere:
- Plattformen verbindlich regulieren: Altersgerechte Voreinstellungen und Schutzmechanismen etablieren, manipulative Designs, Profiling und verhaltensbasierte Empfehlungssysteme für Minderjährige untersagen und den Schutz vor digitaler Gewalt verbessern.
- Medienkompetenz und psychische Gesundheit stärken: Medienbildung und Beratung ausbauen und mit einer Aufklärungskampagne „Sicher auf Social Media“ Kinder, Jugendliche und Eltern gezielt informieren.
- Altersgestuftes Zugangsmodell einführen: Für unter 14-Jährige soll es keinen Zugang zu gängigen Social-Media-Plattformen geben. Stattdessen sollen sichere europäische Angebote für Kinder entwickelt werden. Für 14- bis 16-Jährige soll eine elterliche Einwilligung erforderlich sein. Voraussetzung dafür ist eine sichere und datensparsame Altersverifizierung.
- Junge Menschen beteiligen: Kinder und Jugendliche systematisch in die Entwicklung, Umsetzung und Evaluation von Schutzmaßnahmen einbeziehen.
- Prävention und Versorgung stärken: Früherkennung, Prävention und niedrigschwellige Beratung ausbauen und ausreichende psychotherapeutische Angebote für von digitaler Gewalt und pathologischer Social-Media-Nutzung Betroffene ausbauen.
- Forschung und Transparenz fördern: Auswirkungen sozialer Medien auf die psychische Gesundheit und wirksame Behandlungsmöglichkeiten weiter erforschen und Plattformbetreiber*innen zu größerer Transparenz verpflichten.
- Maßnahmen unabhängig evaluieren: Plattformregulierung, Altersverifizierung und Zugangsmodelle unabhängig überprüfen und weiterentwickeln.
Die BPtK wird das Impulspapier „Social Media und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ im Oktober 2026 veröffentlichen.
Veröffentlicht am 07. Oktober 2026